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Mittwoch, 2. April 2014, 08:57

Montag, 31.3.2014 Stehtag Palermo

Die ferrovia bringt uns in 20min. in die Stadt direkt zum Normannenpalast, der in der Früh noch wohltuend leer ist, sodass wir mit Muße dieses eindrucksvolle Zeugnis vergangener Baukulturen bewundern können. Wir machen einen Abstecher zu S. Giovanni degli Erimiti, eine bezaubernde Oase inmitten des brodelnden Morgenverkehrs. Die Begeisterung der Normannen für orientalische Baukunst ist noch deutlich spürbar.
Vormittagsmarkt im Stadtviertel Ballaro – ein Rausch an Farben und Düften. Es gibt praktisch alles, Berge von Artischocken, Melanzani, Tomaten und sonstigem Gemüse, Fische, Fleisch, jede Menge Käse aus den unterschiedlichsten Regionen, mindestens zehn verschiedene Olivenarten; besonders interessant sind die zahllose Spielarten von Bohnen in allen nur erdenklichen Farben. Man könnte ewig weiter aufzählen. Rund um den Markt zerbröckeln die Häuser, der Müll häuft sich – Palermo eben! Zum Mittag gibt´s einen Imbiss, dann wird´s wieder kulturell: La Martorana, ein seltsames Gemisch aus Orientalik und Barock – absolut gewöhnungsbedürftig; seltsam anrührend San Cataldo daneben, ein ganz kleiner kubischer Bau, ebenfalls im normannisch-arabischen Stil. Wir streifen noch ein bisschen durch die Straßen und beehren zum Schluss die Kathedrale, die von außen recht imposant ist, im Inneren allerdings nicht viel hergibt. Damit ist es genug Palermo, die müden Füße streben nach Hause zu Pasta alle Norma und einem kühlen Bier.
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Samstag, 19. April 2014, 07:31

Dienstag. 1.4.2014 Stehtag
Wir stellen die Liegestühle zwischen Olivenbäumen in die grüne Wiese und lassen es uns gut gehen; zwischendurch fährt Ewald einkaufen. Einmal gehen wir schauen, ob das Meer noch da ist und machen eine erstaunliche Entdeckung, die für Hausfrauen und Hausmänner gleichermaßen interessant sein dürfte: zu Saisonbeginn pflegt man hier den felsigen Strand per Mega(staub)sauger zu reinigen – ein ebenso befremdlicher wie erheiternder Anblick!

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Samstag, 19. April 2014, 07:32

Mittwoch, 2.4.2014 Monreale
Der Begriff „Stehtag“ erhält heute eine neue Dimension! Insgesamt sind wir heute mindestens drei Stunden gestanden: eine gute Stunde beim Bus 389 nach Monreale, eine Viertelstunde beim Shuttlebus, eine weitere bei der Rückfahrt mit dem Shuttle, eine Stunde beim 389er Richtung Heimat, eine dreiviertel Stunde beim Zug. Und das alles für eineinhalb Stunden Dom + Kreuzgang, wo wir natürlich auch hauptsächlich gestanden sind! Er ist es aber unbedingt wert, so was sieht man wirklich nicht alle Tage – sehr beeindruckend!
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Samstag, 19. April 2014, 07:34

Donnerstag, 3.4.2014

11h30 La Playa – Segesta – Nähe Scopello 132986 – 133084 (98km)

Gründlicher Womo-Putz, Genussdusche, Markteinkauf und wir sind wieder unterwegs. Nach zwei Dörfern entscheiden wir uns für die AB und sind nach einer dreiviertel Stunde in Segesta. Der riesige dorische Tempel steht in einer herrlichen Hügellandschaft. Die Frühlingswiesen sind übersät mit tausenden Blumen in allen erdenklichen Farben: intensiv orange Ringelblumen wetteifern mit dem einzigartigen Blau des wilden Borretsch, dazwischen purpurrosa Lichtnelken, und irgendwas, das die Thymian aussieht, goldgelbe Margeriten, hier und da ein paar zartfarbene Orchideen und über allem die riesigen Fenchelstauden. Ein heftiger Schirokko fegt über die Hügel; er macht die Mittagshitze erträglich und so steigen wir recht ausgiebig und sehr begeistert in der Landschaft herum. Zum Schluss gibt es ein Eis (sehr gut!), dann machen wir uns auf den Weg zum Schlafplatz beim Riservato Zingaro am nordwestlichsten Zipfelchen von Sizilien. Wir finden eine kleine Bucht, in der schon „Bodenseeanrainer“ stehen (Friedrichshafen), mit denen wir einen Womoplausch halten, Ewald nimmt sein erstes Meeresbad 2014 (brrrrr), dann treibt uns der Schirokko ins Womo, welches er seither ungestüm hin und her beutelt. Wird eine interessante Nacht!
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Samstag, 19. April 2014, 07:36

Freitag, 4.4.2014

09h15 Scopello/Cala Bianca - Zingaro – Golfo di Cofano/ … 133084 – 133136 (52km)

Wie wahr! Bin ziemlich gerädert und finde nur sehr langsam in den Tag. Die Wanderung im P.N. ist ein Traum. Die Forstverwaltung hat sich allerhand einfallen lassen und unterstützt die natürliche Flora auf behutsame Art und Weise, sodass hier geradezu ein Informationspfad in Sachen mediterrane Pflanzenwelt entstanden ist. Hier gibt es praktisch alles: von Rosmarin über Ginster bis Palme, von Orchidee bis wilde Gladiole, ich fang besser nicht an aufzuzählen, das nimmt sonst kein Ende. Vor allem blüht hier alles gleichzeitig, worauf wir woanders wochenlang sehnsüchtig warten. Der Hang, in dem die Wege verlaufen, ist wild zerklüftet, etliche Wildbäche haben sich ihren Weg hindurchgefräst. Und immer wieder phantastische Ausblicke hinunter ins tiefblaue Meer, auf dem der Schirokko noch immer wilde Wellmuster zeichnet. Ein Traumweg – besonders mit zwei gesunden Knien. Meine sind´s nicht, drum kehren wir (leider) in der Hälfte wieder um. Ewald ist natürlich neugierig aufs „land´s end“, also fahren wir um die winzige Halbinsel herum Richtung San Vito lo Capo. Weit kommen wir nicht, denn ein Abzweig „spiaggia“ lockt uns von der Straße direkt ans Meer. Eine weite Bucht bietet (zumindest jetzt) haufenweise Stellmöglichkeiten. Das Meer glitzert tiefblau, weiße Brandung rollt herein und unser Schicksal ist besiegelt. Seither genießen wir „mare-TV“ und da tut sich Einiges. Die Flut kommt zurück, eine Wetterfront zieht auf, das Meer ändert mehrmals seine Farbe, die Brandung wird ziemlich heftig, zusätzlich aufgepeitscht durch die Fallwinde – es ist richtig spannend, zumal wir in dem wilden Treiben sogar einen „Scheinvulkan“ ausmachen. Es ist ein richtig spannender Nachmittag. An Spazierengehen ist zwar bei dem Sturm nicht mehr zu denken, aber vom warmen Womo aus schaut das alles richtig toll aus.
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Samstag, 19. April 2014, 07:37

Samstag, 5.4.2014
11h45 Cala di Tufo – 14h30 Birgi Novo 133136 – 133211 (75km)
Nachts schüttet es erheblich, es klingt, als ob jemand Reiskörner aufs Womo schüttet; Hagel ist aber keiner dabei. Der morgendliche Blick ist also etwas getrübt. Das steigert sich, als beim Waschbecken im Womo-Badezimmer der Auslass durchbricht. Kann man erst daheim reparieren, also müssen wir das „Wassermanagement“ im Bad umstellen. Das Meer tobt weiter vor sich hin, der Himmel macht auch kein freundlicheres Gesicht, also versuchen wir uns in Planung der Weiterfahrt. Das erste Ziel Erici verschwindet in den tief hängenden Wolken buchstäblich von der Bildfläche, S. Vito lo Capo versinkt ebenfalls im Nebel. Das brauchen wir nun wirklich nicht, wir fahren nach Süden, wo zwar das Wetter besser wird, dafür die Küste immer hässlicher. Salinenfelder, umstanden von Ruinen ehemalige Industriebauten nebst den dazugehörigen Überbleibseln wie Schutt, rostige Eisenstangen, leckgeschlagene Boote u.ä.m. Das wollen wir eigentlich auch nicht, ziehen das Womo-Buch zu Rate und landen nach einigem Hin und Her auf dem SP Birgi Novo mit Blick auf ein äußerst seltsames Meer – sieht aus die der Neusiedlersee bei Sturmwarnung – eine einzige braune Brühe, in der schwarzes Seegras schwappt. Uns gegenüber sitzen in der Brühe zwei Inseln, die zu den ägadischen gehören. Hier bleiben wir jetzt, bis sich der Wettergott beruhigt, dem Vernehmen nach soll er das im Lauf des morgigen Tages tun.
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Samstag, 19. April 2014, 07:40

Sonntag, 6.4.2014
09h30 Birgi Novo - 16h00 Granitola beim Leuchturm 133211 – 133321 (110km)
Gestern hatten wir noch Besuch von unserer Nachbarin, einer Solofahrerin aus Bayern, die in umgekehrter Richtung unterwegs ist, verschiedentlich Informationen eingeholt und uns auch solche zukommen hat lassen. Heute wollen wir nicht weit, nur ein bisschen die Küste entlang bummeln, diese eigenartige Welt erforschen, in der sich Meer und Land fast durchdringen. Flamingos stehen in der Salzbrühe und fischen nach Krebschen, denen sie ihre schicke Farbe verdanken. Ein besonders langbeiniger Typ steht nur auf einem Bein, das andere hat er zur Erholung auf dem Rücken abgelegt. Im Hinterland wird Gemüse angebaut und natürlich Wein, schließlich bewegen wir uns im Raum Marsala. Die Dörfer sind wie ausgestorben, was das Fahren recht angenehm macht. Wir wollen nach Rocche (Cave) di Cusa, sozusagen in die Kinderstube des Tempelbaus. Heute ein ganz verwunschener Ort, wo inmitten üppig blühender Natur Teilstücke für Säulen und Kapitelle im Dämmerschlaf liegen. Vor 2550 Jahren haben die dort schuftenden Sklaven (angeblich Gefangene aus diversen Feldzügen) den Ort eher verwünscht. Es muss eine grausame Knochenarbeit gewesen sein, diese riesigen Stücke aus dem Fels zu fräsen, schneiden, meißeln – es ist nicht ganz klar, wie sie dabei vorgegangen sind und wohl noch weniger klar ist, wie das Ganze dann nach Selinunte gebracht wurde. Auf jeden Fall ist dieses Areal für meine Begriffe der ideale Einstieg, um die Tempelbauten in Selinunte im richtigen Licht sehen zu können. Auf der Suche nach einem schönen Schlafplatz geraten wir zunächst nach Tre Fontane, wo der Begriff „Sandstraße“ eine völlig neue Bedeutung bekommt (Spatz! Foto ist bei mir!). Das gefällt uns gar nicht, wir suchen weiter und landen schlussendlich beim Leuchtturm in Granitola, stehen wieder einmal Aug in Aug mit dem Meer und finden den Platz einfach toll. Hier gibt es außer dem Faro und uns nichts.
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Samstag, 19. April 2014, 07:42

Montag, 7.4.2014
09h15 Granitola – Selinunte – 16h30 CP „Kamemi“ b. Ribera 133321 – 133452 (131km)
Um 10h stehen wir nach einer Fahrt durch wundervolle Landschaft auf dem PP Selinunte, weisen unsere Tickets von gestern vor und machen uns auf den Weg in die Vergangenheit. Es wird ein traumhaft schöner Tag. In Hinblick auf das gestern Gesehene wirkt der momumentale Hera-Tempel womöglich noch unglaublicher, als er es ohnehin schon tut. Wir steigen eine ganze Weile um ihn und zwischen den zyklopenhaften Trümmern herum und rätseln, wie denn das wohl alles zustande kommen konnte. Seit wir um die Süd-West-Ecke Siziliens gebogen und dem kalten Nordwind entronnen sind, ist´s schon wieder ein Stückchen sommerlicher und zwischen den gewaltigen Felsbrocken und Säulenteilen leuchtet neben allen anderen Blumen und Wildkräuter nun endlich auch der Mohn. Die Sonne scheint, ein leichter Wind weht, wir wandern fast durch die gesamte Anlage - es ist ein einziges Vergnügen. Von wegen alte Steine: Ewald hat sogar eine Sitzbadewanne entdeckt! Auf einer Allee aus blühenden Mimosenbäumen und Platanen wandern wir nach gut drei Stunden zum Womo zurück und gondeln auf schmalen Straßen zu einem neuen Schlafplatz. Der sich aber gar nicht so leicht finden läßt. CP Athene in Selinunte ist uninteressant, weil Resti montags geschlossen, Platz selbst - na ja. SP am Meer – siehe gestern, alles voller Sand. CP Helios in Triscina ist – zumindestens derzeit – wohl etwas für Minimalisten. Schließlich geben wir nach etlichen kniffligen Wendemanövern in den engen Gassen diesen Küstenstrich auf und starten Richtung Sciacca/Ribera zum CP „Kamemi“, der **** vorzuweisen hat. Es ist nicht ganz klar, wofür er sie hat, aber eines hat er: heißes Duschwasser, das nicht abrupt zu Ende geht, dafür gratis. Der Weg zum Abendessen wird für mich leider zu einer ziemlich schmerzhaften Angelegenheit. Das Knie, das Knie . . . . . Wir essen aber überraschend gut, was angesichts des vollkommen leeren Lokals nicht so sicher war. 1x Spaghetti mit Schwertfisch (spada) und Melanzani, 1x Spaghetti frutti di mare, vorher Antipasti – mmmmmh.
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Samstag, 19. April 2014, 07:43

Dienstag, 8.4.2014
10h00 CP Kamemi - Eraclea Minoa/Badeplatz b. Lido Garibaldi 133452 -133521 (69km)
Der Tag beginnt wenig verheißungsvoll. Sciacca (Keramik!) gerät wieder mal zu kniffliger Fädelarbeit ohne Chance auf einen Parkplatz (außer beim Hafen, das packen aber meine Gebeine noch nicht wieder), Calabellotta versuchen wir erst gar nicht (für Dickschiffe ungeeignet), sondern fahren zum Archäologischen Park Eraclea Minoa. Von dort oben sehen wir die „ultimative“ Traumbucht - schneeweiße Steilküste und Pinienwald umrahmen eine weite sichelförmige Bucht mit herrlichem Badestrand und tiefblauem Meer (Capo bianco). Wir finden problemlos durch die Pineta an die Küste und dort gibt es zusätzlich auch noch ein sehr empfehlenswertes „Wirtsgehäuse“ namens Lido Garibaldi, in dem wir bald eine köstliche Paella Siciliana verzwicken. In der Vorsaison ein phantastischer Platz, sonst wahrscheinlich hoffnungslos überfüllt und vielleicht auch nicht mehr so makellos sauber. Abends fragen wir anstandshalber, ob wir hier schlafen dürfen – wir dürfen. Morgen soll es nach Agrigento gehen.
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Samstag, 19. April 2014, 07:46

Mittwoch, 9.4.2014
10h15 Lido Garibaldi – 17h00 Marina di Palma/Torre . . . . 133521 – 133602 (81km)
Heute haben wir „Frühstücksfernsehen“ – deshalb kommen wir auch so spät weg. Vier Fischerboote ziehen direkt vor uns – buchstäblich in „Schwimmnähe“ - ihre Kreise und legen ihre Netze aus, um sie wenig später wieder einzuholen. Das Ganze sieht aus wie ein Schiffsballett; wir sind so gefesselt, dass wir ganz vergessen, dass wir eigentlich nach Agrigento wollen. Unterwegs stocken wir unseren Lebensmittel- und Getränke(!)vorrat auf, dann also der dritte Akt in Sachen Magna Grecia. Freilich, hier findet man die am besten erhaltenen Tempel und beredtesten Zeugnisse einer triumphalen Epoche, von der der griechische Philosoph Empedokles meinte: Meine Mitbürger speisen, als würden sie morgen sterben, und bauen, als könnten sie ewig leben. Sehr treffend. Und vielleicht genau deshalb ist uns Selinunte viel lieber. Reichlich erschöpft landen wir wieder beim Womo – nicht ohne eine sizilianische Fahne – und machen uns wieder auf Stellplatzsuche am Meer. CP Nettune sagt uns nicht zu (€ 20,--, wenn wir Womo-Dusche benützen € 15,-- hallo ?). Wir rollen auf Geheiß des Navis ein Stück durchs sehr hübsche, gemüsige Hinterland, dann wieder an die Küste und landen bei einem etwas baufälligen Turm, bei dem wir auf einer ziemlich schotterigen Fläche zu stehen kommen, die von allerlei Strandgut und sonstigen Unerfreulichkeiten verunziert wird. Wir schließen nach Sonnenuntergang davor die Augen bzw. Rollos und fabrizieren ein höchst erfreuliches Nachtmahl. Es folgt eine gepflegte Dusche, dann beziehen wir unsere Schreib- bzw. Leseplätze.
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Samstag, 19. April 2014, 07:48

Donnerstag, 10.4.2014 Heute sind wir genau einen Monat unterwegs !
09h20 M. d. Palma – Enna – 18h30 Piazza Armerina 133602 – 133784 (182km)
Enna – der tollen Aussicht wegen! Kaum haben wir unsere Bucht verlassen, geraten wir in einen „Mega-Gemüsegarten“. Ein weites Tal erstreckt sich vor uns – verunziert durch zahllose Gewächshäuser, Folientunnels und Weingärten, die mit Netzen überspannt sind. Es steht uns selbstverständlich überhaupt nicht zu, das zu kritisieren. Schließlich freuen wir uns auch wie die Esel, dass schon so viel Gemüse reif ist und das geht eben um diese Jahreszeit nur so. Aber schön ist es trotzdem nicht. Kaum haben wir die SS115 verlassen, ändert sich das Bild schlagartig. Eine wunderbare Hügellandschaft nimmt uns auf, vielen Kuppen werden von Minikastellchen oder deren Überbleibsel gekrönt. Später werden die Olivenhaine und kleinen Platanenwäldchen abgelöst von grüngoldenen weitläufigen Ackerflächen – eine richtige Wohltat für die Augen. In Enna irren wir eine Weile herum bis wir den „Einstieg“ auf die Panoramica Lombardia gefunden haben. Die hat´s dann wirklich in sich, aber Herr und Womo schaffen das souverän. Kaum stehen wir an der Kastellmauer, taucht ein zweites Womo mit Anhängsel (Smart) auf und wird wie von Zauberhand neben uns rückwärts eingeparkt. Ein richtiges nettes Ehepaar aus Heibronn entsteigt dem Womo und wir hören, dass sie auf demselben Weg hier heraufgekommen sind! Wir erwandern die Altstadt, was angesichts der Siesta nicht sehr ergiebig ist – der Dom aber ist offen und wird gebührend bewundert, besonders die schöne Holzkassettendecke. Zurück beim Womo erfahren wir, dass der Turm gesperrt ist, also können wir leider/Gott sei Dank nicht hinauf und begnügen uns mit einer Burgumrundung, bei der wir die wirklich phantastische Aussicht genießen. Den Plan, hier zu nächtigen, geben wir auf; wir wollen zum CP Agricasale bei Piazza Armerina (Womo-Buch Nr. 224), um möglichst nahe der Villa Romana del Casale zu stehen für die morgige Besichtigung. Aber: erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Nach einer sehr rustikalen Anfahrt stehen wir vor verschlossenen Toren. Niemand da, keine Benachrichtigung – chiuso. Gut, dann eben nicht. Wir verständigen die Heilbronner per Handy, verabreden uns bei der Villa Romana, wo wir vom Parkwächter zu einem erlaubten SP geführt werden, da man bei der Villa nächtens nicht parken darf (so ist er auch zu seinem Körberlgeld gekommen). Hier hab ich zum Kochen herrliche Aussicht auf die wunderbare Hügellandschaft, die sich im Abendlicht vor uns ausbreitet.
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Samstag, 19. April 2014, 07:49

Freitag, 11.4.2014
12h00 Villa Romana – 14h00 Caltagirone 133784 – 133837 (53km)
Villa Romana del Casale – unbedingt sehenswert. Die Mosaiken sind für die Besichtigung größtenteils gut erschlossen. Schade ist nur, dass sie in natura nicht so farbenfroh sind, wie auf den Aufnahmen der Fotobücher, für die wohl vorher „abgestaubt“ oder „aufgewaschen“ werden muss. Lebendigkeit und Detailgenauigkeit der Darstellungen dagegen sind einzigartig, es ist auch viel Witz in ihnen verborgen – man muss sich zum Schauen nur Zeit nehmen. Und das tun wir auch – sind wir doch bei den allerersten Besuchern und die Ausstellung ist zunächst fast leer – ein Vergnügen. Nach drei Stunden lassen wir es genug sein und peilen unser heutiges Ziel Caltagirone an. Wir landen auf einem schauderhaft vermüllten SP und machen erst einmal Siesta, bevor wir uns auf den Weg ins Städtchen machen. Die Citta della Ceramica, oder Qual´at al Ghiram - Berg der Vasen, wie sie bereits die Araber nannten, ist bereits seit der Antike wegen ihrer reichen Tonvorkommen ein Zentrum der Keramikproduktion – und deshalb sind wir hier. Die nach dem Erdbeben 1693 wieder auferstandenen Barockbauten vernachlässigen wir ohne schlechtes Gewissen – die Stadt mit 40.000 Einwohnern hat allein 29 Kirchen! Keramikwerkstätten gibt´s sicher genau so viele, die interessieren mich mehr. Eine davon wird eine echte Versuchung für mich, der ich aber tapfer widerstehe! Wir überwinden viele, viele Stiegen, bewundern natürlich auch die Freitreppe Scala di S. Maria del Monte. Hunderte von Majolikafliesen zieren die 142 Stufen und zeigen all jene Motive, die seit der Zeit der Araber bis heute hier entworfen und umgesetzt worden sind – ein Prunkstück! Es wird spät und kalt, daheim beim Womo gibt´s Minestrone, dann geht´s ab in die Heia.
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Samstag, 19. April 2014, 07:50

Samstag, 12.4.2014
10h00 Caltagirone – 11h30 CP Scarabeo Punta secca 133837 - ( km)
Um 5h00 früh ist der Nebel so dick, dass ich nicht einmal die Bäume neben uns sehen kann. Um 08h00 schaut die Sache schon anders aus und nach einem gemütlichen Frühstück verabschieden wir uns von unseren Heilbronner Nachbarn und machen uns auf in Richtung Meer zum CP Scarabeo. Irgendwie haben wir das dringende Bedürfnis nach Aufgeräumtheit. Sizilien ist so unglaublich schön, aber diese müllgesäumten Straßen und überquellenden Mistkübel können einen schon gründlich verdrießen. Dabei haben wir auf Sizilien schon mehrmals gesehen, dass es sehr wohl auch anders geht. So wie eben auch hier. In der Vorsaison ein wirklich feiner Platz mit direktem Zugang zum Meer, sehr liebevoll gepflegt, alles funktioniert – herrlich. In der Hauptsaison wäre er – zumindest für mich – entschieden zu heiß. Aber jetzt ist er ein Traumplatz und wir genießen ihn in vollen Zügen.
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  • »Bernhard31« ist männlich

Beiträge: 1 122

Wohnort: im Westen sind die Besten

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Sonntag, 20. April 2014, 17:55

Hallo ihr zwei Sizilianer,

schön, dass wir mitfahren dürfen. :2-winke:

:danke:
GRUSS BERNHARD + Heide
im Westen sind die Besten (nach unserer Meinung :zerkugel: )

http://wohnmobil-landrover-imkerei.npage.at/

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Montag, 28. April 2014, 10:06

:alkoven: Sonntag, 13.4.2014 CP Scarabeo - Stehtag
Hurra – der angekündigte Regen findet nur in der Nacht statt – tagsüber werden wir mit Sonnenschein und mare blu verwöhnt. Strandwanderung ist angesagt, die Bucht ist aber bald erforscht. Also gönne ich dem Womo eine Putzstunde. Danach gibt´s nur mehr Faulsein. Gestern war der Gemüsetandler da, er hatte herrliche Orangen im Gepäck und ganz junge fagiolini. Fisolensalat mit Kernöl in Sizilien - das hat schon was!

Montag, 14.4.2014 CP Scarabeo - Stehtag
Wir genießen Campingleben. Viel duschen - RB vervollständigen – Blumen photographieren - Sonne beim Untergehen + Vollmond beim Aufgehen zuschauen – mit CP-Betreuerin sizilianische Rezepte diskutieren – Nudelsalat kosten, Wein kosten und ähnlich wichtige Dinge - . . . . . . .

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Montag, 28. April 2014, 10:11

Dienstag, 15.4.2014
10h20 wieder unterwegs - 15h30 Calabernardo 133837 – 134053 (116km)
Wir erarbeiten uns den Südostzipfel der Insel – kein ganz ungetrübtes Vergnügen. Zum einen begleiten uns zeitweise die sattsam bekannten Plastikfelder, zum anderen pfeift ein unangenehmer Schirokko, der einem den Atem nimmt und den Sand der Dünen von Pozzallo (nicht von den Kränen der Werft abschrecken lassen!) in die Augen treibt - für Kite-Surfer ideale Windverhältnisse! Während der Saison zweifellos ein angesagtes Stück Küste (es wird auch schon aufgeräumt!), das türkisblaue Meer wirkt durchaus badetauglich und in den Dünen ist sicher gut sonnenbaden. Wir schauen den waghalsigen Kunststücken der Sportler eine Weile zu und finden es mehr als erstaunlich, dass sie sich nicht alle ineinander verhaspeln – so knapp, wie sie aneinander vorbeiflitzen. Bleiben wollen wir hier aber bei diesen stürmischen Verhältnissen nicht; wir schauen, dass wir um „die Ecke“ (Capo del correnti) in den Windschatten kommen. Für Sightseeing in der Barockstadt Noto haben wir eigentlich nicht mehr genug Energie, außerdem haben wir unterwegs Fisch gekauft, der muss heute gegessen werden. Die Stellplätze in Lido di Noto machen uns nicht so recht glücklich, aber bei der Mündung des Asinaro in Calabernardo werden wir fündig und stehen jetzt minimalistisch, aber exquisit. Zutaten: 15m entfernt türkisblaues Meer, neben uns eine kleine Flussmündung + Sandbank mit Möwen, Reihern, Bachstelzen, Palmen, Meerlavendel. Bevor die Sonne etwas verschleiert untergeht, fabriziert Ewald eine köstliche Fischmahlzeit; dann mache ich mich mit Unterstützung einiger Gläschen Rotwein daran, den RB zu schreiben und dem Mond aufzulauern (ab heute sind wir nämlich auf der Ostseite der Insel!). Jetzt ist er da – eigentümlicherweise noch genau so rund wie gestern. Ob das wohl am Rotwein liegt?
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Montag, 28. April 2014, 10:16

Mittwoch, 16.4.2014
09h10 Calabernardo - ca. 13h00 Noto Cava grande 134053 134111 (58km)
Strahlender Sonnenschein – genau richtig für die Besichtigung von Noto, und die Stadt zeigt auch im Morgenlicht ihre ganze Schönheit – „honigfarbenen Barock“ - den Reiseführern ist nichts hinzuzufügen. Den Ewald zieht´s wieder ins Grüne. Wir lassen uns ein auf die „Cava grande“, den Grand Canyon von Sizilien, wie manche meinen. Unser Weg führt uns durch eine bezaubernde Frühlingslandschaft. Wir verfahren uns nur ein ganz kleines bisschen, dann stehen wir auf dem leicht überfüllten Parkplatz „Belvedere“. Da sich aber sowieso niemand um irgendwelche Verbote kümmert, tun wir´s genauso wenig und finden auch noch Platz. Ein Blick in die Tiefe belehrt mich, dass ich diesen Abstieg besser lasse. Ewald steigt allein in die Schlucht, ich streune oben auf den sonnigen Wiesen herum. Da gibt es wilden Salbei, viele Orchideen und die riesigen Fenchelstauden sind auch wieder da. Zistrosen blühen, hunderte Wildblumen und –kräuter – es wär` glatt zum in die Wiese legen - allein der Duft! Braves Eheweib geht aber nach einer guten Stunde zurück zum Womo und setzt sich mit Stockerl auf Parkplatz in die Sonne, um der Rückkunft des Ehegemahls zu harren - wie die Spinnerin am Kreuz!
Jetzt ist der Parkplatz mittlerweile leer, der Magen voll, der Ätna hat sich in Wolken gehüllt und wir haben von hier einen phantastischen Blick über den Canyon hinaus zum Meer nach Siracusa, wo inzwischen Lichterketten die Küste säumen.
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Montag, 28. April 2014, 10:20

Donnerstag, 17.4.2014
09h00 Cava grande - Siracusa Augusta/Brucoli 134111 – 134202 (91km )
Theater – Bretter, die die Welt bedeuten. Hier in Siracusa bedecken sie allerdings nicht die Bühne, sondern das Zuschauerrund. Ein ziemlich befremdlicher Anblick; noch eigenartiger ist die Scena, die mit einem schwarzbraunen Bühnenaufbau überdeckt ist. Drei Scheinwerfertürme vervollständigen das unerfreuliche Bild – es wäre nett gewesen, die Besucher darauf vorzubereiten. Jedes, aber auch jedes griechische Theater, egal ob in Griechenland oder Kleinasien hat uns besser gefallen, als dieses hier. Eine Zumutung. Das Ohr des Dionysos ist zumindest originell und die (verbotene) Kraxlerei bei den Steinbrüchen spannend. Beim Rückweg stolpern wir über den Papyrusgarten, von dem wir schon gelesen haben, lassen uns zeigen, wie man aus den Schäften der Stauden Papier erzeugt hat und wenden dann dem barocken Siracusa den Rücken. Augusta/Brucoli ist unser Ziel. Nächste Bucht, nächste Schreck: Raffinerieanlagen ohne Ende, dazwischen sehr originell eingebettet eine Ausgrabung „Megara hyblea“, man kann sich nur wundern.
Brucoli tröstet uns dann wieder, ein liebes, kleines Fischerdorf, das vorsichtig am Tourismus schnuppert. Wir finden einen Stellplatz am Kanal zum Fischerhafen mit herrlichem Blick auf den Ätna und die Hafenausfahrt. Rund um unser Womo wachsen viele winzig kleine Zwergiris. Nach zwei Regengüssen wagen wir uns ins Dorf, besuchen den Platz, auf dem Anni und Frankie waren und kehren zum Schluss noch auf einen halben Roten ein.
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Montag, 28. April 2014, 10:23

Freitag, 18.4.2014
09h30 Brucoli – Aci Trezza – Capo Mulini – 14h00 S.M. la Scala/CP Timpa 134202 – 134274 (72km)
Taormina und Ätna, diese beiden Wünsche sind noch offen. Dazwischen liegt leider Catania. Die Umrundung gestaltet sich schwierig, zur Fahrweise der Einheimischen sei gesagt: wehe, wenn sie losgelassen. Mitten im dicksten Verkehrsgewühl meldet sich „Heilbronn“, geht aber gleich wieder verloren und wir arbeiten uns durch die ziemlich engen Küstendörfer, in denen es nur so wuselt. Aci Castello, Aci Trezza, Capo Mulini – auf einem schwarzen Lavakegel gebaut, Acireale – alle sehenswert, nirgends kann man heute stehen bleiben. Schließlich landen wir beim Terrassencamping La Timpa, das in der Tat eine sehr enge und auch steile Zufahrt hat, aber sehr liebenswürdige Betreiber und einen tollen Ausblick aufs Meer. (Achtung: wer Internet will, sollte seine IP-Adresse wissen, die wird hier verlangt!) Die angepriesene Busverbindung nach Taormina ist leider mit einer längeren „Bergwanderung“ zur Haltestelle verbunden – da ich das derzeit nicht kann, werden wir morgen weiterfahren, wohin, hängt vom Wetter ab.
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Montag, 28. April 2014, 10:26

Samstag, 19.4.2014
09h15 La Timpa – Ätna/Nicolosi – Giardini Naxos – San Marco/Strand 17h15 134274 – 134393 (121km)
Meer und Himmel veranstalten einen Wettbewerb in Blau, was uns bald in Bewegung setzt. Vielleicht geht sich Ewalds Herzenswunsch – der Ätna – ja doch aus. Die Fahrt nach Nicolosi zieht sich, etliche Photostops sind notwendig; um 12h sitzen wir aber in der Kabine der Seilbahn und kommen gemeinsam mit den ersten Wolken oben an. Mit Jeeps rumpeln wir durch riesige schwarze Lavahalden voller bizarrer Gebilde. Als die Jeeps uns ausspucken, stehen wir im Schnee und eiskalter Wind weht vom Krater herunter. Ewald marschiert dorthin, wo man zum Krater sehen könnte, würden nicht von allen Seiten die Nebelwände emporsteigen. Ich geb´s billiger, stapfe in der näheren Umgebung herum und stelle unwillkürlich Vergleiche mit unserer heimischen Bergriesen an. Die Dimensionen sind ja so unähnlich nicht, aber unsere Berge halten wenigstens still! Wirklich sichtbar wird das Ausmaß der Zerstörungen, als wir von der Talstation auf einer wunderbar angelegten Straße (SP92) in unzähligen Serpentinen einen der Lavakegel (Ausbruch 2001) durchqueren. Gewaltige Massen des erstarrten Lavastromes, dem man die Bewegung, in der er zum Stillstand kam, auch heute noch ansehen kann und aus dem die bizarrsten Gebilde in die Höhe ragen. Die ganze Welt ist schwarz oder anthrazitfarben und scheinbar tot. Und doch regt sich in dieser finsteren Mondlandschaft schon wieder Leben! Auch ohne rauchenden Krater vor blauem Himmel ein wirklich beeindruckendes Erlebnis. Wieder zurück in der Wärme machen wir uns auf die Suche nach einem Schlafplatz. Wider besseres Wissen (Ostern!) probieren wir Giardini Naxos, wo sämtliche Stellplätze brechend voll sind. Und es ist gut so – der Kontrast zum NP des Ätna wäre gar zu groß. Jetzt stehen wir am Strand von San Marco, wo zwar die Zufahrtsstraße dezent vermüllt ist (wir haben in unserem Blickfeld ein bisschen aufgeräumt), aber ansonsten ist hier nur Natur pur – feinster Kiesstrand, blaues Meer und die Mündung des Fiume freddo – weil er so heißt, habe ich ihn gar nicht erst ausprobiert.
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