Ein neuer PlatzWir wollten in diesen Jahr wieder nach Balatonszemes fahren, doch den Campingplatz gab es nicht mehr. Er war als Jugendlager eingerichtet worden. Bis dahin gab es auf jeden Campingplatz einen Teil als Jugendlager, wo sich die Jugendlichen aus allen Ländern des Ostblocks trafen. Es war vielleicht nicht gut, wenn die Jugendliche sahen, wie der Klassenfeind lebte. Natürlich war das oft ein Irrbild. Wie gesagt, ich habe mich oft geschämt, über die Angebereien der Westdeutschen. Wir gingen also wieder auf die Suche. In Szantod Rev, da gibt es einen kleinen, netten Platz direkt hinter der Rev-Csarda, da wurden wir fündig. Natürlich, die Waschgelegenheiten und Toiletten, das war nicht gerade unser Standart, aber es war immer sauber, und die Ungarn benutzten die auch, dann konnten wir das doch auch.

Vom Campingplatz, der einen schönen Grasstrand hatte, konnte man die Fähren fahren sehen. Damals kosteten die Fähren nur ein paar Groschen, und so waren immer alle 4 Fähren unterwegs. Ich saß am Strand, und vor mir saßen 4 Jungs, so 10 Jahre alt. Sagt der eine:,, Mensch, da hat man mir gesagt, in Ungarn gibt es so guten Kaugummi, aber ich habe den schon alle durchgelatscht, der ist auch nicht besser als unserer in der DDR!“ Ich konnte mich von lachen nicht halten, hab dann den Jungs jeden eine Mark gegeben, und gesagt, sie sollen mal in das kleine Büdchen da gehen, die hätten welchen, den sollen sie mal probieren.
Das war ein Intertouristshop. So ein Päckchen Kaugummi kostete 0,40 DM. Die sind dann abgesaust zu dem Laden, und kamen kauend zurück. Die Intertourist-Shops waren eine Quelle um Valuta einzunehmen. Neben ausländischen Waren wie Zigaretten, Cognac, Getränke usw. wurden auch einheimische Waren, die sonst schwer zu bekommen waren, angeboten, wie zum Beispiel Salami. Oder Waren, die normal nicht ausgeführt werden durften, wie Briefmarken für Sammler.
Eines Tages kam mein Sohn und sagte, du Paps, vorne stehen viele 280ger Mercedes als Polizeiautos, komm mal mit. Und wirklich standen da 6 große Mercedes als Polizeiautos, und die Polizisten waren ganz toll eingekleidet. Man sah, das waren Maßanzüge. Vorne, an der Strasse, stand der Vergleich: ein normaler Polizist mit Lada regelte den Verkehr. Ich denke, frage mal einen von den Polizisten, was hier los ist. Einer aus der Gruppe sprach deutsch, und erklärte, der Waldheim wäre auf Besuch in Ungarn, und wäre jetzt in der Revcsarda. Der Waldheim war damals noch der Generalsekretär der UNO. Damals war in Ungarn so ein großer Mercedes noch eine Sehenswürdigkeit.
In diesen Jahr hatten wir uns vorgenommen, die Grotten von Tapolca und die Herender Porzellanmanufaktur zu besichtigen.
Von den Grotten waren wir enttäuscht, man ging eine Treppe runter, stieg in einen Kahn, fuhr eine Runde durch Grottengänge. Das war es auch schon.
Aber das Porzellan. Davon waren wir hellauf begeistert. Wunderschöne Sachen wurden da angeboten. Nicht nur Gebrauchsporzellan, sondern auch Zierporzellan, Figuren, wunderschön anzusehen. Zum Schluss kam man dann durch einen Laden, wo man kaufen konnte. Unsere Verwandte hatten das Geld nicht, konnten nicht genug umtauschen, und ich konnte es mir damals nicht leisten, da meine Frau nicht arbeitete. War schon schwer ohne was zu kaufen durch den Laden zu gehen.
Was mein Schwager immer so ärgerte: Ich wurde, wenn wir irgendwo hingingen, oft angesprochen, wollen Sie Geld tauschen, und meinen Schwager frug nie jemand. Woher wissen die, dass ich aus der DDR bin, meinte er dann.
In der Zeit war es unwahrscheinlich schwer, mit Ungarn Kontakt zu bekommen Auf dem Campingplatz waren sie eigentlich nicht vertreten, es war ihnen zu teuer, auch in Gaststätten traf man sie so gut wie nie. Wenn man jemand suchte, der Deutsch konnte, dann musste man ältere Leute suchen. Ältere Leute konnten meistens deutsch, jüngere zu der Zeit wenig.
Wir gingen abends viel an den Vorgärten spazieren. Interessant war, fast jeder hatte ein schwarzes Fass auf hohen Füssen stehen. Das waren die Brausen, die von der Sonne erwärmt wurden. Man kann es nicht glauben, wie warm das Wasser an einen schönen Tag wurde.
Einmal sagte meine Frau zu mir: Schau mal die schönen Blumen. Da kam der Mann sofort und sagte, warten sie, schnitt meiner Frau Blumen ab, und schenkte sie ihr. So was hatte ich noch nicht erlebt. Ein andermal schauten wir bei den Angler zu, und mein Sohn bekam einen Fisch noch lebend geschenkt. Ich wollte ihn überreden den armen Fisch doch wieder schwimmen zu lassen, aber er sagte, Papa, der schmeckt gut.
Ich hatte aber schon einen Freund in Balatonseplak-Felsö. Ich hatte ihn 2 Jahre vorher, als ich in Rosenheim war, kennen gelernt. Das Jahr habe ich bewusst ausgelassen, meine Frau hatte sich eine Iritis in Ungarn zugezogen, und ich bin dann nach Rosenheim zum Augenarzt. Dort lernte ich Gusztel auf den Campingplatz kennen. Wir haben bis voriges Jahr, wo er verstorben ist, eine tiefe Freundschaft gehabt. Gusztel hat mir sehr viel in Ungarn gezeigt. Er hat dann auch einen großen Anteil dran das ich dann auch eine tiefe Beziehung zu Ungarn bekommen habe. Er ist auch im Ort sehr beliebt gewesen, auf dem Ortsschild Balatonszeplak Felsö hat Jemand vor den Felsö seinen Familiennamen gesprüht. Zumindest voriges Jahr stand der Name noch da. Ein Freund in dieser Zeit war sehr viel Wert, denn wenn man mal grillen wollte, brauchte man sehr viel Organisationstalent um Fleisch zu bekommen. Mein Gusztel wusste immer wo man was bekam. Und wir haben ihn dann zum Essen eingeladen. Aber das nahm er auch nicht so hin, das nächste Mal mussten wir bei ihm essen. Ich denke oft an Gusztel. Er war ein wunderbarer Mensch. Wenn man damals abends mal wie hier in die Rev-Csarda gehen wollte, dann musste man Plätze reservieren, es war alles überfüllt. Das ist nun heute nicht mehr so.