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Reisebericht Rumänien 2007
Grundsätzliches zu dieser Rundreise durch Rumänien, in der wir bewusst BUKAREST
und das DONAUDELTA ausgelassen haben. Diese Reiseziele haben wir deshalb links
liegen lassen, weil zum Zeitpunkt der Reiseplanung Temperaturen bis 40 Grad
Celsius vorherrschten und keine Milderung in Sicht war. Außerdem ist unseres
Erachtens die interessanteste Reisezeit für das Donaudelta das Frühjahr, weil
dann der Vogelzug am besten zu beobachten - und die Vegetation am schönsten ist.
Viele uns bekannte Leute haben als erstes die Frage gestellt: "Habt ihr den
Keine Angst überfallen, ausgeraubt oder zumindest bestohlen zu werden?" - Nein
wir hatten diese Angst nicht und es war richtig so! Wir bewegten uns wie zu
Hause, Wir nächtigten überwiegend frei und wurden (ausgenommen von bettelnden
Zigeunerkindern) nie belästigt. Trotzdem hatten wir NIE das Gefühl einer
Unsicherheit.
Die Straßenverhältnisse waren im Norden und Nordosten des Landes katastrophal.
Im Süden und Südwesten hingegen akzeptabel bis gut. Bei einer Reiseplanung im
Norden und Nordosten sollte eine Reisegeschwindigkeit von maximal 30 km/h
eingeplant werden. Der Lenker ist gut beraten sich der Fahrtechnik der Rumänen
anzupassen. Das heißt: mit dem WOMO zwischen Schlaglöchern, Pferdefuhrwerken,
Fußgängern und LKWs herum zu tanzen. Die Überholmanöver der Rumänen sollte man
jedoch tunlichst nicht kopieren. Ich hatte das Gefühl, dass nur dann überholt
wird, wenn eine Sperrlinie, ein Schutzweg und eine unübersichtliche Kurve oder
Fahrbahnkuppe vorhanden sind.
Und nun zur Reisebeschreibung:
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September 2007
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Oktober 2007
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28.08.2007 ab 10h50 an 17h30
Dienstag, km
119.745 -
120.194
Abfahrt nach letzten Einkäufen. Mit „Unterstützung“ des
Garmin finden wir völlig neue Wege aus der Stadt nach Osten, landen dann
aber doch wunschgemäß beim Grenzübergang Nickelsdorf und
betreten hiermit für den
Minimax Neuland. Die Autobahn Wien-Budapest ist völlig
o.k., ebenso die Rastplätze. Die Umfahrung v. Budapest
gerät
mithilfe der Garmin-Lady fast zu einer Durchfahrt, aber
letztlich finden wir den Weg auf die M3 ohne große Schwierigkeiten
und rollen durch eine recht flache, aber sehr
freundliche Gegend, in der das Grundwasser gut verfügbar zu sein
scheint: überall viel Schilf, Tümpel mit
unterschiedlichem Wasserstand und viel Auwald, der uns dank des Westwindes seine
besonders hübsche silbrige Kehrseite zeigt.
Bei Kilometer bzw. Ausfahrt 114 weist uns der Garmin
von der Autobahn und führt uns nach
Debrecen. Wir werden
überrascht von
aufkeimendem Tourismus, ermöglicht durch verschiedenste flache,
schilfgesäumte Seen (ich habe sie die kleinen Brüder des
Neusiedlersees getauft) und Kanäle, an denen sich bereits bescheidene
„Flotten“ flachgehender Boote eingefunden haben, deren Besitzer sich im
Sommer vermutlich den Gelsen zum Fraße vorwerfen.

Über
eine recht fragil wirkende Brücke (maximale Höhe 4,60m, mit
ausführlicher Vorwarnung!) verlassen wir dann diese Gefilde und kommen
durch ein ausgewiesenes Naturschutz- und Vogelschutzgebiet. In
Hortobagyi sehen wir einen winzigen Markt mit Schaffellen und Käse
der gleichen Herkunft. Unsere Absicht, dort zu nächtigen, wird
aber durch ein „sprechendes Schild“ (= Hand mit klingenden Münzen)
gleich wieder zunichte gemacht und wir finden ein paar Kilometer weiter
eine kleine Station des Naturparks, die gleichzeitig auch
Kutschenfahrten durch die Puszta anbietet und einen entsprechend großen
Parkplatz hat, der sich erstklassig als Übernachtungsplatz eignet.

Sonnenuntergang links Aufgang des Vollmondes rechts vom WOMO und
alles ohne störendes Gegenüber. Jetzt ist es 20h30 und es kommt kaum
mehr ein Auto vorbei, also wird es sicher eine ruhige Nacht.
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29.08.2007 ab 10h50 an 19h30
Mittwoch, km
120.194 -
120.411
Leichtes Gebrösel (Nieselregen) hat die Nachtruhe unterbrochen, daher
sind wir morgens spät weggekommen. Vorbei ist der Pusztazauber und eine
Stunde später sind wir an der Grenze und das Abenteuer Rumänien beginnt
– vorerst in Gestalt schlaglöcherdurchsetzter Straßen. Zweifellos sind
nicht alle rumänischen Straßen so beschaffen, aber auf dieser könnte man
Schlagobers erzeugen, ohne den Schneebesen zu schwingen.
Auf
dem Weg nach
Satu Mare sehen wir die ersten Straßenmärkte, auf denen bunte Säcke
mit Erdäpfeln, Zwiebeln und Paprika stehen, Stände mit Auberginen,
gelben Fisolen, Krautköpfe und Melonen. Hier wird aber nicht nur
verkauft, sondern das Tages- und sonstige Geschehen besprochen. Die
Straße ist ein wichtiges Kommunikationszentrum für die Dorfbewohner. Es
ist wirklich notwendig, das Fahrtempo dieser Gegebenheit anzupassen.
Abgesehen davon hat man jederzeit mit eigenwilligen Kühen auf der
Fahrbahn zu rechnen und Pferdefuhrwerke sind an der Tagesordnung.

Interessant ist, dass die Rumänen selbst diesen Umständen in ihrem
Fahrstil keineswegs Rechnung tragen, sie fahren, als seien sie auf der
Flucht und ihre Überholmanöver können einem den Angstschweiß auf die
Stirn treiben.
Satu
Mare hat zweifellos bessere Tage gesehen und erwacht gerade aus seinem
Zwangsdornröschenschlaf. Man braucht viel Phantasie, um hinter den
desolaten Fassaden die einstige Schönheit mancher Bauten zu sehen – aber
vielleicht wird´s ja wieder; die EU-Flagge ist allgegenwärtig, sogar
hier an der entlegensten nordwestlichen Grenze des Landes.

Die
Suche dem in der Karte verzeichneten CP verlief erfolglos, uns mit dem
Riesen-Womo in die teils bitterarmen Siedlungen zu stellen, erschien uns
doch zu dreist, also stehen wir jetzt wir in einer Industrierandzone von
Baia Mare; es regnet wieder, also wird es ein gemütlicher Womo-Abend.
Nachtrag: Rovignetta für 3 Wochen: € 15,-- |
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30.08.2007
Donnerstag, km
120.411 -
120.523
In
dieser Nacht haben wir unser WOMO mit ca. 50 Gelsen geteilt –
dementsprechend war sie auch – die Bezeichnung „Land der Vampire“ hat
eine völlig neue Bedeutung erlangt. Gegossen hat es in der früh auch,
also haben wir unser Nachtquartier geräumt, bevor der Boden grundlos
wird und woanders gefrühstückt. Dann haben wir diese potthässliche Stadt
fluchtartig verlassen und uns aufgemacht
in Richtung
Surdesti, zur
ersten der heute besuchten Holzkirchen. Sie soll der höchste
Eichenholzbau der Welt sein. Aufgrund der Nässe war sie außen leider
fast schwarz, sodass man die wunderbar silbriggrauen Schindeln, die
Maserung des Holzes und die Schnitzereien nicht so gut sehen konnte.
Dafür war sie aber geöffnet und wir konnten das Innenleben bestaunen,
die Malereien an den Holzwänden, die Webarbeiten, Ikonen, Was mich
persönlich am meisten beeindruckt, ist der unglaubliche Aufwand in
dieser Abgeschiedenheit für einen Kirchenbau, in dem ein paar Dutzend
Menschen Platz finden.
Wenige Kilometer weiter in Plobis treffen wir beim Besuch der
nächsten Kirche

auf ein Fahrzeug aus Bad Aussee, dessen Insassen schon
den Priester geholt zum Aufsperren geholt haben, als wir dort einlangen.
Es wird außer rumänisch auch französisch und deutsch gesprochen, sodass
es eine recht informative Besuch wird, in dessen Verlauf wir auch noch
Insidertips für die Besichtigung der Moldauklöster bekommen – eine sehr
nette Begegnung mitten im verregneten Maramures !
Auf
der Weiterfahrt nach Rogoz hat der Wettergott Erbarmen mit uns armen
Touristen, vertreibt die tief hängenden Regenwolken und lässt die Sonne
auf ein bezauberndes Tal scheinen, in dem Dörfer mit wahrhaft
bescheidenen Häuschen, mit winzigen, blumenübersäten Gärten die Strasse
säumen.

Und in dem
Dörfchen Rogoz finden wir noch eine dieser bemerkenswerten
Holzkirchen – für uns die schönste. Sie hat einen wunderbar gegliederten
Turm und sehr schöne Proportionen. Besonders gut gefällt uns auch die
Verbundarbeit an den Gebäudekanten.

All das steht in einem ausgesprochen naturbelassenen Kirchhof, in dem das Gras sprießt wie es will und die
Hühner Futter suchen - hier gehen die Uhren wirklich anders;
geradezu zeitlos ist es hier . . .
Dann
machen wir uns wieder auf den Weg nach Norden, wo wir an einer Köhlerei
vorbeikommen, die natürlich etwas näher in Augenschein genommen werden
muss: ein Meiler ist schon fertig, einer gerade im Entstehen.

Dann
geht es weiter hinauf zum Pasul Cavnic (= Cavnicpass, 1040m), wo
sich auch prompt ein Übernachtungslatz findet. Kochen, essen,
Reisetagebuch schreiben, noch schnell ein Verdauungsspaziergang
(hoffentlich kommt kein Bär – was macht man da ?). Jetzt belauern wir
die letzten Quälgeister der vergangenen Nacht und versuchen sie um die
Ecke zu bringen. |
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31.08.2007 ab 10h30 an 18h15
Freitag, km
120.523 -
120.624
Wunderbar geschlafen – alle Gelsen tot. Frühstück auf der Passhöhe im
Sonnenschein. Dann durch Morgennebel hinunter ins Tal durch eine
wundervolle Spätsommerweidelandschaft mit unzähligen Heumandln und
blumenbestandenen Wiesen nach Sighetu Marmatei. Wir sind hart an
der Grenze zur
Ukraine – nur die Theiss liegt dazwischen.
Unser
Weg führt uns zunächst zum Fröhlichen Friedhof nach
Sapanta, der
wirklich herzerquickend ist – selbst wenn man die Inschriften nicht
versteht; viele Bilder sprechen für sich.



Dann
machen wir uns auf nach Negresti-Oas, wo am 1. September eine Art
Festival unter Einbeziehung der Kunsthandwerker und Musiker der
Nachbargemeinden stattfinden soll. Unseren Weg säumen hübsche Dörfer mit
oft liebevoll geschmückten Fassaden und immer blumenüberfüllten Gärten.

Ob das Festival wirklich stattfindet, haben wir noch nicht
herausgefunden, aber ein Freilichtmuseum haben wir besucht – Erinnerungen an
Stübing werden wach – in dem bäuerliches Hauswesen dargestellt wird;
eine Mühle findet sich und auch eine richtige „Waschmaschine“ – wirklich
sehenswert.
Vama: einmal durch und wieder zurück, weil wir nichts von dem gefunden
haben, was wir suchten.
Beim
Rückweg finden wir nicht nur das ersehnte Keramikschild, sondern
tatsächlich auch noch den alten Geza ungarischer Abstammung, der lieber
seine Werkstatt erklärt als seine Produkte verkauft.

Auf
der Suche nach der Cabana Pintea verfransen wir uns so weit an den
Dorfrand, dass wir dann doch nach dem Weg fragen. Kurzerhand steigt nach
einigem Kauderwelsch eine sehr liebenswerte Frau ins WOMO, lässt uns
nach ein paar hundert Metern halten, weil da jetzt der Mihai über die
Brücke kommt, der uns erklären wird, wie wir dort hinkommen und sie
fährt sicherheitshalber mit.
So
geschah es auch und wir haben uns mit einem Packerl Kaffee bedankt.
Die
Cabana Pintea ist inzwischen vom EU-Wirtshaftswunder überrollt, denn
keine 200m weiter ist ein Schiki-Micki-Betrieb entstanden, der der
Cabana jetzt das Wasser abgräbt – Grund genug für uns, hier zu essen und
dann auch gleich mit dem WOMO stehen zu bleiben. Es hat sich gelohnt,
wir hatten einen sehr netten Kellner, der deutsch sprach und sich, durch
uns veranlasst, an seine Zeit in Berlin/Zoo (zu Zeiten der DDR!)
erinnerte. Wir waren bei ihm gut aufgehoben – er bot uns sogar an, den
Wein, der uns zu viel war, mit nach Hause zu nehmen und bat uns den Rest
der Flasche in ein Colaflascherl umzuleeren, da er die Bouteille
abliefern müsse. . . . . . |
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01.09.2007 ab 10h15 an 19h00
Samstag, km
120.624 -
120.851
Dank
des Schnapses vom Vorabend haben wir geschlafen wie Murmeltiere und sind
dementsprechend spät weggekommen.

Zurück
nach Sighetu Marmatiei, vorbei an wunderschön verfliesten
Häusern. und dann hinein ins Valea Vizei mit seinen
Holzkirchen und –toren.
Mit
diesen schlank nach oben strebenden Schindeldächern und –türmen sind es
wunderbare Bauwerke, deren Eleganz in merkwürdigem Gegensatz zu den
Malereien im Inneren stehen, die oft geradezu kindlich anmuten.

Interessant waren für uns auch die in den Gärten stehenden Bäume,
behangen mit Töpfen, Krügen und allerlei Hausrat. - Diese Zeichen, dass
hier ein Freier nichts zu finden hat, denn die Hausfrau ist schon unter
der Haube!
Besucht haben wir:
Barsana, Rozavlea, Ieud.

Es hat keinen
Sinn, allzu viele
an einem Tag zu besichtigen und die, an der mir viel
lag, ist nur über eine „drum calamitate“ zu erreichen, was wir
angesichts unseres Dickschiffs doch lieber bleiben ließen.
Sehr zu empfehlen ist jedoch die Kirche von Valea Vizel.
Direkt am Fuß des Hügels, auf dem die Kirche steht, dort, wo der Weg
beginnt, sollte
man mit der Häuslerin
sprechen - sie hat
den Schlüssel zur Kirche, ist sehr nett und geht mit um auf zu sperren.
Wir
haben die Schönheit des Tales genossen, die vielen, oft sehr kunstvoll
ausgeführten Holztore bewundert und geduldig die miserablen Strassen
ertragen.
Ewald
hat mittlerweile einen eigenen Rumänienfahrstil entwickelt: Slalom
zwischen den Schlaglöchern und den rumänischen Autos hindurch.

Jetzt stehen
wir am Prislop-Pass und betrachten den Sonnenuntergang. Hier wird
jetzt gegessen und übernachtet.
Die
Zigeuner, die 15 Kehren weiter unten lagern, werden uns wohl nicht
behelligen, denn hier heroben ist es bitterkalt.
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02.09.2007 ab 10h30 an 18h30
Sonntag, km
120.851 -
121.000
Wie
man sich doch täuschen kann! Kaum habe ich das geschrieben, klebt das
Gesicht eines Zigeunerbuben an der WOMO-Scheibe und verschwindet nicht
mehr. Erst als ich ihn ziemlich anblase, zieht er ab, trotzdem
bleibt ein unbehagliches Gefühl und wir wechseln den Platz in der
Hoffnung, in Ruhe gelassen zu werden. Wir stehen direkt am Sattel des Prisslop-Passes zwar nicht ganz ruhig, aber in Ruhe gelassen.
Heute
morgen ist es schön, zwischendurch ziehen Nebel aus dem Tal herauf und
wir machen uns auf zu den Moldauklöstern. Es ist ein traumhaft schönes
Tal, durch das wir in die Bukowina fahren.

An
vielen Flachstellen, die der mäandernde Fluss gebildet hat, sehen wir
große und kleine Zigeunerlager. Es bleibt nach wie vor ein Rätsel, wovon
diese Menschen leben und vor allem, wie sie den harten Winter überstehen.
Die
Dörfer dieser Täler unterscheiden sich jetzt schon recht augenfällig von
jenen des
Maramures, Hier ist nicht Denkmalpflege das Thema, sondern größere
Lebensqualität. Wer will es den Menschen hier verdenken ?

Nach der
ersten Passfahrt durch eine wundervolle Gebirgslandschaft mit einer fast
ebenso wundervollen Strasse sind wir beim Kloster Moldovita.
Das
ist so unspektakulär vor sich gegangen, wie das Entdecken eines
Edelsteines in einer sonst unauffälligen Gesteinsformation – genau diese
Empfindung habe ich gehabt, als ich durch die Klosterpforte trat und
diese bemalten Außenmauern sah. Wie es so ist beim Betrachten: jeder
sieht, was er sehen will, dabei belasse ich es jetzt auch.

Eine
ebenso schöne Gebirgsdurchquerung bringt uns nach Sucevitza
(oder Sucevita). Auch
sehr beeindruckend und vielleicht auch kunsthistorisch wertvoller (?),
aber für mich nicht so berührend wie Moldovita.

Das
mag vielleicht daran liegen, dass das Innere zu dunkel war, sodass wir
uns ausnahmsweise an Ort und Stelle zur Information ein Büchlein gekauft
haben.

Wirklich schmunzeln musste ich allerdings über die Stufenleiter der
Tugenden, die ich auch x-mal photographiert habe.
Marginea: nicht alles, was berühmt ist, muss einem auch gefallen. Diese
schwarze Keramik ist nicht meins. Es gibt hier auch Keramik aus Horezu,
die sehr hübsch ist, ob ich deshalb bis nach Oltenien – sozusagen an den
Ursprung – fahre, weiß ich noch nicht. Aber einen hübsch gestalteten
öffentlichen Brunnen haben wir entdeckt mit Kübel zum Schöpfen und
Emailhäferl am Schnürl zum Trinken und wunderbare Bauerngärten, die
jetzt überquellen von Dahlien und Astern in den glühendsten
Spätsommerfarben.
Und:
auf der Suche nach Gasthaus mit landestypischer Küche haben wir einen
winzig kleinen Campingplatz entdeckt.

Eigentlich die Info-Tur-Stelle von Sucevitza, bei der wir
nachfragen wollten und geblieben und mit einer Fülle von Informationen
überhäuft wurden. Schlussendlich sind wir nicht einmal mehr essen
gegangen, sondern von der Hausfrau verköstigt worden.
Der
Hausherr spricht gut deutsch, gelernt hat er das nach eigener Angaben in
der Schule „mit dem Stock“.
Hier
werden wir sicherlich gut und unbehelligt schlafen. |
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03.09.2007 ab 09h30 an 19h00
Montag , km 121.000 -
121.172
Gut
geschlafen, sehr gut gefrühstückt, der Regen hörte rechtzeitig wieder
auf. Der Hausherr ist ein recht weltläufiger Mann, der viel gesehen hat
und ein guter Erzähler ist.
CP +
Abendessen + Frühstück: 120,- Lei. Einziger Schönheitsfehler: er
hat keine Entsorgungsmöglichkeit.

Unser
erstes Ziel: Suceava – auf dem Weg dorthin trafen wir auf einen
landesüblichen Markt, der genau widerspiegelte, was hierzulande angebaut
und anderseits gebraucht wird: Kohl, Kraut, Erdäpfel, Zwiebeln,
säckeweise Paprikaschoten und Paradeiser, Saatgetreide einerseits,;
anderseits auf Decken ausgebreitet jede Art von Werkzeug, Hufnägel,
Ersatzeile für Motorsägen, Fahrräder und sonstige Maschinen, Schuppen
voller Kleidung, Berge von Körben und Reisbesen – ein unbeschreibliches
Sammelsurium. Eine Frau hat einen zur Bar umfunktionierten
Wohnwagenanhänger aufgestellt und brät davor auf einem Grill unter
ungeheurer Rauchentwicklung Fleisch und Würstchen.
Und
zwischen all dem stehen die Leiterwagen mit den eingespannten Pferden,
den Futtersack ungehängt oder mit Grünfutter im Nachbarwagen versorgt.
Suceava ist keine wirklich sehenswerte Stadt, wenn man vom Völkermuseum
absieht, das wirklich sehr schöne Stücke – vor allem Webarbeiten,
Teppiche und Keramik ausstellt.

Endlich dem
Verkehrschaos entronnen, beschert uns die E 576 eine Strassenqualität,
wie wir sie nicht einmal im westlichsten Maramures erlebt haben –
einfach schauderhaft. Manchmal sind nicht mehr als 25-30 km/h möglich,
und da leidet man noch mit den Stossdämpfern mit. So erbärmliche
Strassen sind auch für den wohlwollendsten Reisenden eine ausgesprochene
Zumutung.

Dementsprechend
durchgebeutelt und genervt kommen wir bei den Klöstern Humorului
und Voronet an und müssen uns erst wieder mühsam umstellen auf
geistige Kost.

Kurz
nach 17h brechen wir dort auf Richtung Campulung, und brauchen für diese
40 km geschlagene zwei Stunden, in so furchtbarem Zustand ist die
Strasse. Zu
allem Überfluss endet unser Versuch, diesem Elend zu entgehen, im
absoluten Nirvana. Die Zufahrt zu einem Pass erweist sich als praktisch
unfahrbar, so tief sind die Löcher in der Straße. Also schwenken wir auf
den CP ein, der auch keine Zierde seiner Zunft ist, aber zumindest
stehen wir dort eben, können das WC entleeren und entspannen.
Mal
sehen, was die morgigen Strassen uns für eine Route ermöglichen.
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04.09.2007 ab 09h00 an 16h00
Dienstag , km
121.172 -
121.385
Auf
jeden Fall besser, als zu befürchten war – bis auf etliche Baustellen,
die man aber wohl in Kauf nehmen muss, will man wieder nach Rumänien
fahren und bessere Strassen vorfinden.
In
Jacobeni
haben wir den Klösterkreis geschlossen und auf den Weg durchs
Bistrita-Tal nach Bicaz durch die Schlucht zum Lacul Rosu
gemacht.

Das
Bistrita-Tal
ist landschaftlich außerordentlich schön, geradezu idyllisch, wenn man
es fertig bringt, die Berge modernen Mülls zu übersehen –
Plastikflaschen, soweit das Auge reicht. . . .

Über
die Bistrita
führen zahlreiche Hängebrücken, praktisch jede Ortschaft hat eine, es
gibt nur ganz wenige gemauerte, die vor allem für den Abtransport des
Holzes aus den Wäldern der gegenüberliegenden Seite notwendig sind. Auf
eine dieser Hängebrücken habe ich mich getraut, sie hat so
vertrauenerweckend solide ausgesehen. Schon nach ein paar Schritten
beginnt sie zu schwingen – ein unheimliches Gefühl, das man auch nicht
mit noch so viel
Vernunft und physikalischem Wissen ganz unterdrücken kann.
Der
Stausee, in dem die Bistrita quasi vorübergehend verschwindet, ist
erheblich abgesenkt, dennoch ist es eine beachtliche Wasserfläche,
über die der Blick zum „Olymp Rumäniens“, dem Ceahlau-Massiv
gleitet. Leider entpuppen sich die beiden „Erholungsgebiete“ als
grandioser Reinfall; angeblich in Renovierung befindlich sind sie ganz
schlicht und einfach verlotterte und schlampig bis gar nicht überwachte
Ewigbaustellen.
Also
weiter durch die
Bicaz-Schlucht, die wirklich imponierend ist, wenn man ein
Fahrzeug mit Glasdach hat, oder die Strasse entlang marschiert. Wir
werden morgen eine Wanderung probieren, die führt zwar über der
Schlucht, aber wir brauchen ohnehin Bewegung und einen autofreien Tag.
Nach mehreren Fehlversuchen haben wir jetzt ganz in der Nähe des
Lacul Rosu einen brauchbaren Stellplatz mit regenfestem Untergrund
vor einem Hotel, das ziemlich unterbelegt sein dürfte.

In
einer bestimmten Beleuchtung mag der kleine See mit seiner besonderen
Farbe und den herausragenden abgebrochenen Baumstümpfen wohl recht
unheimlich wirken, heute lag er noch im hellen Sonnenschein, bevölkert
von etlichen Ruderbooten, deren Insassen teils recht erheiternde Manöver
vollführten, und bot so eine eher heiteres Bild.
Unsere Gemüsereserven sind jetzt zu Abendessen verarbeitet, also können
wir neu proviantieren.
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05.09.2997
Mittwoch,
Stehtag
Heute
Nacht hat es wieder zu regnen begonnen. Gott sei Dank haben wir einen
asphaltierten Stellplatz. Zuvor hatte uns ein deutscher Womotourist
gesagt, dass wir an diesem Platz nicht stehen dürfen. Es handle sich um
eine Restaurant- Hotelzufahrt und WOMOs sind da nicht gern gesehen. Da
wir auf der Stellplatzsuche jedoch zufällig den „Parking Manager“ der
Gegend getroffen haben und er uns versicherte, es sei in Ordnung haben
wir uns da hingestellt.
Ja
also – es hatte in der Nacht geregnet und begann ein wenig aufzumachen.
Zeitweise war sogar die Sonne zu sehen. Ich bekämpfe mit schwarzem Tee
und trockenen Keksen Montezuma…..
Da
Ewald von der vielen Fahrerei in den letzten Tagen etwas Bewegung
brauchte, machte er sich auf die Socken um eine im Reiseführer
beschriebene Wanderung in die Bicaz-Schlucht zu gehen. Die vierstündige
Wanderung wurde alsbald von heftigem Regen begleitet, sodass er völlig
durchnässt wieder im Minimax ankam.
Der
restliche Tag verlief mit gemütlichem WOMO-Leben und Planung der
nächsten Tage. Und ich dürfte die Schlacht auch gewonnen haben…… |
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06.09.2007 ab 09h00 an 13h30
Donnerstag,
121.385 -
121.548
Überraschung! Hier gibt es Strassen, auf denen man schneller als
40km/h fahren kann! Es war ein Hochgenuss. Nicht weil wir schnell fahren
wollen, sondern weil dieses nervtötende Gerumpel wegfällt und die
unentwegten Schlenkermanöver, mit denen man sonst den vielen
Schlaglöchern ausweichen muss, Praktisch ab Joseni, dem nächsten
Ort nach
Gheorgeni ist die Strasse wirklich in einem ausgezeichneten Zustand
und führt aus der Ebene hinauf in die Muntii Gurghiului. Durch
dichten Wald geht es hinauf zur Statiunea Bucin, anscheinend ein
Erholungsgebiet, in dem zahlreiche Cabanas stehen, die sicherlich von
Wanderern gerne in Anspruch genommen werden. Es ist nämlich eine
wirklich wunderschöne – und ausnahmsweise auch wegsame Landschaft.
Die
hier zweisprachigen Ortstafeln lassen vermuten, dass hier fast so etwas
wie eine ungarische Enklave besteht. Auch den Pass hinunter ließ uns die
schöne Strasse nicht im Stich, sodass wir weit vor unserer geplanten
Ankunftszeit in
Sighisoara landeten.
Gott
sei Dank, denn die CP-Situation ist ausgesprochen miserabel.

Den im Zentrum kann man bestenfalls mit einem Gogomobil anfahren
und überdies ist die Zufahrt aufgegraben – also derzeit geschlossen. Der
bei der Str. 1. Dez. 1918 ist ebenfalls geschlossen und im
Renovierungsstadium, einen dritten gibt es weit außerhalb der Stadt, wir
haben aber drauf verzichtet, zu erforschen, in welchem Stadium sich der
befindet, sondern uns in einer Seitenstrasse der Str. Andrei Saguna
nächst der Polizeistation niedergelassen. Von hier geht man in die Stadt
höchstens eine Viertelstunde.
Wenn
wir wieder zu Hause sind, werde ich mich damit vergnügen, die Fotos des
Prospektmaterials mit meinen eigenen zu vergleichen bzw. mit dem, was
wir zu sehen bekommen haben. Im Grunde ist Sighisoara – zumindest
derzeit – eine einzige Baustelle. "Rehabilitation der Infrastruktur"
wird das hier genannt und wenn sie so weitermachen, sind sie in 10
Jahren noch nicht fertig und zwar nicht weil das Geld fehlt, sondern
wegen der offenkundigen Planlosigkeit ihres Vorgehens.

Das ist schade, denn diese Stadt ist wirklich ein
architektonischer Zeitzeuge; der Marsch in die Oberstadt und der Blick
vom Stundturm können den Betrachter ziemlich unvermittelt ins
Mittelalter bzw. spätere Jahr-hunderte versetzen. Derzeit ist der
Besucher allerdings damit beschäftigt, möglichst in keine Baugrube zu
fallen und hat alle Mühe, hinter Baugerüsten, riesigen
Gastgartenschirmen und Draculafiguren die versteckten – und leider auch
arg heruntergekommenen – Schönheiten zu entdecken.

Neben der Stadtmauer mit den beeindruckenden Wehrtürmen finde ich
den Stundturm mit seinem liebevoll bestückten Museum ganz besonders
sehenswert und der Blick vom Turm auf die Stadt ist wirklich
einzigartig.
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07.09.2007 ab 10h45 an 13h30
Freitag , km
121.548 -
121.673
Wie schön - unsere
Zeitpläne geraten aufgrund der guten Strassen völlig durcheinander! Man
soll wirklich nicht den Tag vor dem Abend beschimpfen.
Der
Töpfereistandort
Saschitz ist ein historischer, man versucht dort zwar an die
Traditionen anzuknüpfen, aber – wie die Dame in der
Touristeninformationsstelle so passend bemerkte- das wird dauern . .
Abgesehen von den Strassen ist die Strecke von Schäßburg nach Kronstadt
landschaftlich ganz bezaubernd; weit gestreckte Hügellandschaft
durchzogen von ganz und gar naturbelassenen gewundenen Bachläufen,
gesäumt von silbrig glänzendem Auwald; auf den Wiesen weiden Schafe.
Kühe, Ziegen, Pferde; Schäfer mit ihren Hunden achten auf ihre Herden .
. . . fast tut es einem schon wieder leid, auf einer so
komfortablen Strasse durch diese bukolische Idylle zu gondeln. Aber dann
taucht das erste Zementwerk am Horizont auf und befördert uns wieder ins
21. Jahrhundert. Wer gute Strassen haben will, muss begleitende
Industrie in Kauf nehmen.
Außerdem tauchen am Horizont auch die Konturen der Karpaten aus dem
Dunst auf und bevor wir es und versehen, sind wir in Kronstadt, hanteln
uns mithilfe unseres Garmin erst einmal südlich an der Stadt vorbei in
Richtung CP Dirste (camp.dirste@deltanet.ro),
weil
wir dringend einer Grundreinigung bedürfen – Mensch wie Fahrzeug! Wenn
man von Nordosten auf der E60 in die Stadt kommt, ist der CP ab dem
grossen Kreisverkehr nach dem Bahnhof (Gara) HERVORRAGEND ausgeschildert
– sozusagen 200m-weise. Man kann ihn einfach nicht verfehlen.
Hier haben wir heute ausgeruht, gesonnt, gelesen, Musik
gehört, gefaulenzt.
Morgen hat BRASOV das Wort.
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08.09.2007
Samstag, Stehtag

Alles
grau in grau, als wir wegfahren, um uns Brasov zu Gemüte führen, aber es
hält doch einige Zeit aus, bis es anfängt zu regnen. Taxi vom CP, der
recht weit außerhalb liegt und an dem keine Buslinie vorbei- und ins
Stadtinnere führt: mit Trinkgeld 15,-- RON.
Der
Stadtkern von Brasov ist wie aus einem Bilderbuch für mittelalterlichen
Städtebau entnommen. Besonders von den beiden Türmen – schwarz und weiß
– hat man eine phantastische Aussicht auf die Altstadt und ihre
Dachlandschaften.

Spätestens jetzt drängt sich der Vergleich mit Graz
auf, es ist ein wirklich wunderschöner Anblick, alles zusammengedrängelt
zwischen der Stadtmauer, deren Verlauf vollständig nachvollziehbar ist.
Die Wehrtürme wirken geradezu rührend, wenn man sich vergegenwärtigt,
wovor sich eine Stadt dieser Größenordnung damals zu schützen hatte und
welche Mittel ihr dafür sonst zu Gebote standen.

Die
Schwarze Kirche, das Wahrzeichen von Brasov, überragt alle
anderen Gebäude und erscheint für den alten Stadtkern viel zu groß. Der
„Leidensweg“ dieser Kathedrale, die der hl. Maria geweiht ist, ist
jedoch lesenswert. Der Bau, begonnen um 1383, hat ca. 100 Jahre gedauert
– es wurde gebaut, zerstört, gebaut und wieder zerstört durch Erdbeben
oder Krieg. Nach der letzten Instandsetzung bzw. Rekonstruktion, fand
1543 der erste
evangelische Gottesdienst statt.
Da es
jetzt bei fühlenswerten 8 Grad Celsius langsam zu regnen begann, haben
wir uns entschlossen im Venezia zu essen (sehr empfehlenswert) und sind
anschließend in strömendem Regen noch zum Cafe La Vatra Ardealului
gegangen, um uns noch eine kleine Verwöhn-Süßigkeit mitzunehmen.

Dann fuhren wir zufrieden mit dem Erlebten (und den Leckereien im
Plastiksackerl) wieder mit dem Taxi zurück zum Minimax, den wir gleich
beauftragten, er soll für wohlige Wärme sorgen. |
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09.09.2007 ab 10h10 an 16h00
Sonntag, km
121.673 -
121.763
Das
hat er auch gemacht, der Minimax und es war ein gemütlicher Musik- und
Leseabend, denn der Regen konnte sich gar nicht beruhigen.
Heute
morgen Frühstück, WOMO Rundum-Alltags-Service für die Fahrt und Aufbruch
nach Tartlau (Prejmer). Wir haben eine nicht ganz planmäßige
Strasse erwischt, sodass sich die Fahrt zu einem kleinen Albtraum
entwickelte.
Und
dann: Schade, schade, Sonntag und Montag ist dort geschlossen.
Also haben wir uns mit einer Umrundung der mächtigen Kirchenburg begnügt
und
sind gleich weiter nach Honigberg (Hartan), wo wir einen
sehr gut
deutsch sprechenden Burghüter angetroffen haben, der uns trotz
Mittagspause in sein Reich eingelassen hat.

Honigberg ist
vielleicht nicht ganz so imponierend wie Tartlau, aber auch hier wird
sehr anschaulich vor Augen geführt, wie man versucht hat, die Angriffe
der Türken und Tartaren abzuwehren.
Oft waren es nämlich lange
Belagerungszeiträume, die die gesamte Bevölkerung der umliegenden Dörfer
zwangen, manchmal monatelang in diesen Kirchenburgen auszuharren, in
denen sie auch hier Hab und Gut unterbringen konnten.

Rosenau (Rasnov) war unser nächstes Ziel. Die mächtige Festung liegt recht
unzugänglich auf einem Felsen, von dessen Höhe man das ganze Tal
kontrollieren konnte. Während besonders unsicherer Zeiten hat sich die
gesamte Bevölkerung auf Dauer in das Innere der Wehrmauern
zurückgezogen, es gab dort 80 (!) Häuser;

vielleicht sollte man eher Behausung dazu sagen, aber die
Menschen waren geschützt und gut aufgehoben. Wirklich bemerkenswert ist
ein über 100m tiefer Brunnen, der von zwei Türken gebaut worden war,
denen man die Freilassung im Falle der Fertigstellung zugesagt (und die
Zusage hoffentlich auch eingehalten) hatte. Für das Überleben in der
Festung waren sie unbezahlbar.
Jetzt
stehen wir auf einem Superübernachtungsplatz: N73a von Rasnov
nach Predeal, „Erholungsgebiet Paraul Rece“, ein
öffentlicher Parkplatz des gleichnamigen Hotel-Restaurants,

„beaufsichtigt“
von drei sehr netten Hunden, die sich wohl von uns etwas Fressbares
erwarten. Sie sind überhaupt nicht zudringlich, sie liegen einfach nur
vor unserem WOMO und warten, ob für sie was abfällt.
Jetzt
haben wir es gar nicht mehr weit bis nach Sinaia. |
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10.09.2007 ab 09h50 an 18h00
Montag, km
121.763 -
121.888
Sie
haben natürlich etwas bekommen, die Drei . . . .

Die
Sonne scheint vom blauen Himmel – auf nach Sinaia ! Auch dort
herrscht – wie in Sighisoara nach der Hauptsaison das Aufgrabchaos pur.
Trotzdem finden wir einen gebührenfreien Parkplatz und wandern durch
Schotter und zwischen Baugruben hindurch zum Schloss Peles.

Es ist – obwohl
mit diesem Touristenmagneten zweifellos viel Geld zu machen ist –
montags geschlossen. Das entpuppt sich aber als ausgesprochener Segen,
denn man sieht dafür was, hat einen ungestörten Blick auf das
Dornröschenschloss, das wirklich bezaubernd auf einer kleinen Lichtung
liegt – umgeben von „dunklem Tann“ – man kann es gar nicht anders sagen.


Die
Innenräume nicht gesehen zu haben, empfinde ich persönlich nicht als
Nachteil, mir sind noch die Räumlichkeiten von Aranjuez im Gedächtnis,
denen vermutlich die hiesigen an Überladenheit um nichts nachstehen –
so, wie sie in meinem Reiseführer aus der Reihe „know how“ beschrieben
sind. Übrigens eine Reihe, die sehr gute Reiseunterlagen anbietet,
wie wir seit unserem Irlandaufenthalt wissen.

Auch
das Kloster Sinaia – sozusagen der Auslöser für den Bau des
Schlosses – haben wir nicht vergessen zu besichtigen – klein, aber fein;
dann aber war es wieder genug mit der Touristenhochburg Sinaia
und wir machten uns auf nach Süden. Zuerst durch den Ostteil der
Bucegi-Berge, wunderschöne Hänge, überzogen mit Laubwäldern,
auf denen schon ein Hauch Herbstfarbe liegt; dann weitet sich das Tal
und die

Strasse führt
durch bitterarme – teilweise regelrecht zerstörte – Dörfer im
Wiederaufbau. Möglicherweise hat hier ein Hochwasser bösen Schaden
angerichtet; dem Fluss ist es zuzutrauen, er wirkt wie ein kleiner
Bruder des Tagliamento. In einem dieser Dörfer kaufen wir schnell noch
Milch, Butter und Gemüse und weil der Greißler nicht heraus-geben kann,
bekommen wir Zuckerln als Wechselgeld. . . . . .
Vor
Targoviste kommen wir an etlichen Kühltürmen eines Atomkraftwerkes
vorbei; das rege Verkehrsaufkommen rundherum lässt darauf schließen, das
es in Betrieb ist. Die letzten 30 Kilometer bis zur N 7 haben wieder
gewohnte Waschrumpelqualität, es ist wirklich mühsam. In Dragodana
biegen wir kurzerhand ab, um endlich einen Ü-Platz zu finden, immerhin
ist es gleich 18h. Erst landen wir fast auf einer Müllkippe; nachdem wir
umgekehrt sind, entdecken wir aber eine hübsche, in freundlichem Gelb
gestrichene Wohnhaussiedlung, die aus irgendwelchen Gründen nicht
fertiggestellt und bezogen worden ist, sondern leer in der Gegend
herumsteht, allerdings umgeben von betonierten Flächen, die wohl einmal
Strassen werden soll(t)en.
Uns
dienen sie jetzt als absolut waagrechter und regensicherer Untergrund.
Offenbar gewinnt wieder ein Hoch die Oberhand, denn es ist wolkenlos mit
tadellosem Sonnenuntergang. |
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11.09.2007 ab 10h15 an 18h00
Dienstag, km
121.888 -
122.074
Hätte
nicht die Sonne kurz durch die Wolken geblinzelt, würden uns sicher
schon Schwimmhäute wachsen . . . .
Morgens um neun war die Welt noch in Ordnung und der Himmel blau, also
auf nach Südwesten, wo offenbar das schöne Wetter stattfindet. Nein,
doch nicht, also auf nach Westen; dort wird´s zwar immer schwärzer, das
Kloster Horezu wir können uns aber auch bei Regen anschauen und
außerdem kann ich dort mein Steckenpferd „Keramik“ spazierenreiten.

Das Kloster macht
von außen nicht viel her, es liegt sehr friedlich in die ausgesprochen
idyllische Landschaft eingebettet und wirkt gar nicht so, als müsse es
sich rüsten gegen Angriffe jedweder Art – nach den
Erfahrungen der letzten zwei Wochen mit Kirchenburgen und wehrhaften
Klöstern ein ganz ungewohntes
Bild.

Ganz anders das Innere: der gesamte
Kirchenraum ist vollständig mit Darstellungen der unterschiedlichsten
biblischen Szenen und weltlichen Personen und Ereignisse ausgemalt und
die Wand hinter dem Altar zur Gänze mit Ikonen von unglaublicher
Farbintensität und Leuchtkraft bedeckt – wir haben uns bei einer Nonne
zu bedanken, die unser Interesse damit belohnt hat, dass sie für uns die
elektrische Beleuchtung eingeschaltet hat, durch die das alles erst in
vollem Umfang sichtbar wurde. Jetzt haben wir schon so viele Klöster
besucht – dieses hat einen ganz besonderen Eindruck gemacht.
Auf
dem Rückweg habe ich ganz frische Walnüsse gefunden, gerade vom Baum
gepurzelt, vom Regen sauber gewaschen und noch so jung, dass man die
dünne Haut abziehen kann – eine unglaubliche Fitzlerei, aber ein
mindestens ebenso großer Genuss – so schmecken sie nur paar Stunden oder
bestenfalls Tage – herrlich !
Ja –
und dann waren da dummerweise diese Töpfereien
. .
. . da haben wir dann ein bisschen eingekauft. Wir haben das Glück
gehabt, in einer Werkstätte zuschauen zu können,

wie diese zauberhaften – zu Teil unglaublich zarten
– Muster entstehen: stundenlang hätte ich da zuschauen können, es hat
richtig Spaß gemacht.
Dann
haben wir eine Fernfahrergaststätte am östlichen Ortsanfang entdeckt, wo
wir erstens einen Ü-Platz haben (ziemlich waagerecht und mit regenfestem
Untergrund) und außerdem köstliche Landesküche serviert wird: Ciorba,
Tocata Oiae (= Schaffleischragout), Sarma (Krautwickel) mit Polenta),
nachher war allerdings ein Schnaps fällig, aber da wir nicht mehr fahren
müssen, legitim.
Dass
es bereits wieder in Strömen regnet, muss nicht erwähnt werden, es
gehört offenbar zu diesem Urlaub! Wir werden jetzt noch Bilder laden und
dann dem Regenprelude lauschen. |
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12.09.2007 ab 10h15 an 18h10
Mittwoch, km
122.074 -
122.236
Heute
morgen schien allen Ernstes die Sonne! Das haben wir gleich mit einem
Frühstück außer Haus gefeiert; dann haben wir uns auf den Weg zu den
Höhlenklöstern nach
Bistrita gemacht, an deren Zugang wir erfolgreich
vorbeimarschiert sind. Dafür haben wir aber eine wunderhübsche Wanderung
durch die Bistrita-Schlucht entlang ihrer sehr quirligen
Namensgeberin gemacht. Sie muss irgendwann gewaltiges Hochwasser geführt
haben, denn die Straße ist häufig gefährlich unterwaschen; zwei
betonierte Telegraphenmasten liegen einfach im Flussbett und in Juni d.J.
ist hier auch ein Mann tödlich verunglückt – vermutlich ist die
Forststraße unter einem Fahrzeug weggebrochen. Sicher kann die
Bistrita binnen kürzester Zeit zu einem richtig gefährlichen
Wildbach werden.
Auf
dem Weg aus dem Tal haben wir noch Sonne gehabt; aber kaum haben wir uns
nach Norden gewendet – Sibiu ist unser Ziel – hat es uns wieder
eingewaschelt, Das ist wirklich sehr schade, denn das Olt-Tal
ist bezaubernd, das ist sogar bei diesem schauerlichen Wetter zu
erkennen, aber: es soll offenbar nicht sein.
Da es
schon recht dämmrig ist und in Sibiu zweifellos Abendverkehrssalat
herrscht, fahren wir wieder einmal ins Gemüse, um uns sozusagen van
hinten an den „behaupteten“ CP heranzumachen, bleiben dann aber an einem
allzu günstigen Übernachtungsplatz hängen, der alles hat, was man
braucht: ruhig, waagerecht und erlaubt (Cisnadie, neben dem
Kinderspielplatz am Westrand des Ortes). Mittlerweile hat sich das
Schlechtwetter zu einem ausgesprochenen Sauwetter ausgewachsen; es
stürmt und schüttet derart, dass einem nur mehr das Wort HEIZUNG
einfällt und die waltet jetzt auch ihres Amtes ! |
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13.09.2007 ab 10h30 an 18h00
Donnerstag, km
122.236 -
122.273
Der
Wettergott hat Erbarmen gezeigt; wir haben unseren Augen gar nicht
trauen wollen, als heute Morgen beim Frühstück ein Stück blauer Himmel
durch das Heki-Fenster sichtbar wurde.
Also
Sibiu/Hermannstadt: von allen bisher besichtigten Städten ist es die
mit dem größten Renovierungsfortschritt, was freilich nicht
verwunderlich ist angesichts der Auszeichnung „Europäische
Kulturhauptstadt 2007“.

Piata
Huet, Piata Mica und Piata Mare sind wunderschön geworden, man kann es
nur noch nicht in vollem Umfang genießen, weil die Stadtväter sich noch
kein Herz gefasst und die Autos verbannt haben (Ausnahme: Piata Mare)
und auch die unzähligen, völlig überdimensionierten Sonnenschirme der
Restaurant-Terrassen stören gewaltig, auch wenn sie so wie heute
zusammengefaltet als dicke Staberln herumstehen und die Sicht verstellen.

Besonders gut gefällt mir die Piata Mica, sie wirkt
heimelig, unter den Arkaden ist Leben und Treiben, dort ist das
Luxemburghaus und das Apothekermuseum (absolut sehenswert und geradezu
unvorstellbar, wie viel man damals schon gewusst und gekonnt hat auf
diesem Gebiet !) und dort ist auch das Ethnographische Museum, in
dessen Expositur gerade eine – leider sehr kleine – Ausstellung bemalter
Möbel aus Transsylvanien gezeigt wird. Auch über die Lügenbrücke sind
wir gegangen – gemeinsam natürlich, damit konnte es im Falle des
Zusammenbruchs keine unüberlegten Schuldzuweisungen geben . . . . .
Im
Chaos der Unterstadt hat uns der Markt – Piata Cibin – am besten
gefallen.

Dort wird von
Petersilwurzel über Schöpsernes bis zum Kanarienvogel und Aquariumsfisch
alles angeboten, was einen Käufer findet.
Was
es in Sibiu leider nicht gibt, ist ein CP! Folglich stehen wir wieder
auf dem Übernachtungsplatz von gestern.
|
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14.09.2007 ab 9h50 an 18h15
Freitag, km
122.273 -
122.494
Frühstück im Morgensonnenschein! Jetzt kann man sehen, wie hübsch dieses
Cisnadie ist, in dem es auch eine Kirchenburg gibt, die wir aber auslassen,
denn unsere Wege führen uns wieder nach Norden. Wir umrunden Sibiu fast
wie Einheimische, fahren durch die Provinzen Harghita und
Mures, wunderbar harmonische, friedvolle Landschaften, in denen sich
der Herbst schon leise ankündigt. Schafherden ziehen über die Hügel, am
Straßenrand liegen die ersten Nüsse im Gras. Tagetes, Zinnien und Astern
winken in glühenden Farben aus den Vorgärten der kleinen Dörfer;

am Straßenrand
glänzen auf hohen Holzgestellen in langen Zöpfen heurige dunkelroten
Zwiebeln; Körbe voller Kürbisse in hellem Gelb und Orange und violette
Zwetschken vervollständigen die herbstliche Farbenpalette.

Eine besonders
schöne Kirchenburg liegt in diesem Landstrich: Biertan oder
Bierthälm; sehr beeindruckend in ihrer Wehrhaftigkeit hoch oben auf
dem Hügel. Der Preis für die Lage war allerdings hoch – während
Belagerungen musste Wasser heimlich aus dem Dorf geholt werden, zu
welchem Zweck man vorsorglich unterirdische Gänge gegraben hatte.

Im
ansonsten sehr mitgenommenen Kircheninneren ist ein sehr gut erhaltener
Flügelaltar zu finden – ganz ungewöhnlich in diesem Land.
In
Sovata
schließen wir einen Kreis, hier waren wir schon einmal und fahren jetzt
weiter nach Corund zu einer kleinen Keramikhochburg. Zuerst bin
ich etwas irritiert, das ganze Dorf eine Verkaufsgasse (Tarvisio schau
uma!).

Dann entdecken wir aber auch eine Werkstätte, in der
ich erstmals mehrere Arbeitsgänge live miterleben kann. Es klingt
vielleicht kitschig, aber es hat etwas von einem Schöpfungsakt an sich:
der nasse Klumpen Lehm neben dem Töpfer vor seiner Scheibe; die Gefäße,
die daraus unter seinen Händen emporwachsen, eines nach dem anderen,
alle annähernd gleich.

Die trockenen Gefäße werden in Glasur getaucht –
wieder getrocknet, mit Mustern versehen und gebrannt und sind dann
entweder grün oder kobaltblau – eine sehr schwer zu ertragende Farbe!
In einer anderen Fertigungstechnik bleibt der Untergrund hell
cremefarben, auf dem gemalt wird. Ein pfauenähnlicher Paradiesvogel
beherrscht die Szene, begleitet oder umrahmt von unzähligen Variationen
von Ornamenten: ziegelrot, blau oder in einer Dreieinigkeit
verschiedener Siena- und Ockertöne, grün und ganz wenig blau, umrandet
mit einem fast schwarzen Braun. Es sind sehr rustikale Muster, die auf
einer gewölbten Oberfläche wie bei Krügen oder Vasen – sehr viel
besser wirken als auf einer flachen, wie Teller sie nun mal haben. Wir
haben aber doch einen sehr schönen Teller gefunden und uns dann schnell
aus dem Staub gemacht (das ist wörtlich zu verstehen, denn dort donnern
die LKW geradezu kriminell durch den Ort!).

Wir haben
auch den CP gefunden, den wir vorher verpasst haben (Vasskert in
Sovata, Str. Principala 129a). Man spricht gut deutsch – UND ES GIBT
HEISSES
WASSER! Das hatte nicht einmal der ***-CP Dirste bei Brasov!
Dieser CP ist ein kleiner, familiärer Wiesenplatz mit einigen wenigen
Cabanas und einem bei Regenwetter recht weichen Untergrund. An der
Grundsstücksgrenze rauscht ein Bach vorbei, der momentan wohl Hochwasser
führt – es hat tagelang nur geregnet und Teile des CP stehen unter
Wasser.
Unser
WOMO zeigt Verschleißspuren: die Halterung der neuen Batterien hat den
Belastungen durch die Erschütterungen auf den oft verheerenden Straßen
nicht standgehalten. Die Batterien haben sich auf die Wanderschaft durch
die Garage gemacht Brett, auf dem sie standen, biegt sich schon. Also
muss alles umgeschlichtet werden, damit wir bis nach Hause keine
Schwierigkeiten bekommen. |
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15.09.2007 ab 10h55 an 17h45
Samstag, km
122.494 -
122.706
Heute
früh hat Ewald mithilfe des sehr netten CP-Betreibers unser Lagerproblem
für die Batterien entschärft. Ich habe die Zeit und das viele heiße
Wasser dazu benützt, im WOMO etwas besser sauberzumachen. Nach einem
letzten Abstecher zu den Keramikkünstlern lassen wir uns von guten
Straßen – N13A und N13 und dann N 1 - nach Klausenburg führen. Die
Anfahrt von Süden ist tatsächlich imponierend, wenn auch das gesamte
Stadtbild nur so vor Hochhäusern starrt. Unser Versuch, diesseits des
Flusses einen hinreichend waagrechten Stellplatz zu finden, scheitert
kläglich. Im Universitätsviertel, im Spitalsviertel und auch rund um den
Friedhof ist es derart eng und steil, dass wir uns reumütig auf die
andere Seite verziehen mit dem Erfolg, dass wir jetzt wieder auf einem
Mugel stehen und zwar auf dem sogenannten Festungshügel. Wenn man ein
paar Schritte weit geht, hat man einen phantastischen Ausblick auf eine
leider gar nicht schöne Stadtansicht.
Wir
werden uns bemühen, diesen Eindruck zu korrigieren und die Stadt morgen
von unten/innen besichtigen. |
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16.09.2007
Sonntag, km
122.706 -
122.711,
Besichtigg.Klausenburg
Genauso haben wir es auch gemacht: oben am Berg gefrühstückt, dann in
die
Stadt
hinunter auf einen möglichst zentral gelegenen Parkplatz, was am Sonntag
recht einfach und auch gratis ist.
Die
Anlage des historischen Stadtkerns ist großzügig; breite Straßen werden
von zum Teil sehr schönen Gebäuden gesäumt – manche sind schon
renoviert, manche warten noch darauf. Zwei Sakralbauten beherrschen die
Innenstadt: die Michaelskirche und die Orthodoxe Kathedrale.

Es
ist Sonntag und es ist wirklich erwähnenswert, wie viele Menschen hier
in die Kirche gehen. Besonders die Vorgänge in der Orthodoxen Kirche
finden wir höchst erstaunlich: der musikalische Rahmen des
Gottesdienstes im Kircheninneren wird via Lautsprecher nach außen
transportiert und auf dem großen Platz vor der Kirche stehen die
Menschen und nehmen auch dort in gewisser Weise am Gottesdienst
teil. Die Kirchentüre steht währenddessen offen, es herrscht ein
ständiges Kommen und Gehen, aber kaum jemand verlässt die Kirche, ohne
sich mehrmals zu bekreuzigen. Es zieht uns daraufhin auch ins
Kircheninnere, wo wir sehen, dass alle Menschen stehend den Gottesdienst
verfolgen. Ein Chor mit ganz herrlichen Stimmen umrahmt die Liturgie,
deren Verlauf wir nur erahnen können, da die Kirche gesteckt voll ist.
Durchs Universitätsviertel, das ziemlich ausgedehnt ist, dirigiere ich
dann voller List und Tücke den armen Ewald zum Botanischen
Garten –

der in
jedem Reiseführer angepriesen wird. Das hat er auch verdient (nicht der
Ewald), so etwas hätte ich in Rumänien nicht vermutet.

Das
Gartenjahr ist zwar schon fast zu Ende, aber noch immer blüht vieles,
die letzten Rosen und Dahlien sowieso erst jetzt. Eine sehr großzügige
Anlage – mehr Park als Garten - mit zahlreichen Raritäten; ein sehr
schöner Nachmittag und ein insgesamt sehr guter – wenn auch
unvollständiger – Eindruck von Klausenburg.
Fußlahm beim WOMO angelangt, gibt es Jause und dann verholen wir uns
wieder auf unseren Mugel hinter dem Hotel Belvedere. |
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17.09.2007 ab 10h30 an 11h45
Montag, km
122.711 -
122.760
Heute
schon wieder fußlahm, weil Blase gelaufen.
Zur
Turda-Schlucht
kann man fast bis vor „die Haustüre“ fahren und muss nicht so wie wir in
der größten Mittagshitze eine Stunde lang Strassenhatscherei
veranstalten.


Die Schlucht ist
aber recht schön, allerdings sehr verwachsen, sodass man von den
Steilwänden nicht allzu viel sieht. Ewald betätigt sich dann als
rettender Engel, geht allein zum Minimax zurück und holt mich vom
Eingang in die Schlucht ab. Dort gibt es so eine Art „Cabanadorf“, ein
Hauptgebäude, zwei große „Familiencabanas“ und mehrere kleine, ein WC,
ein Buffet mit Gastgarten. Momentan sind die Gebäude leider etwas
baufällig, der Platz hat aber dennoch einiges Publikum. Heroben am
Beginn der Zufahrt ist ein toller Stellplatz mit Rundumsicht; hier haben
wir den Paragleitern zugeschaut und letztendlich auch unser
Nachtquartier aufgeschlagen.

In
der Hauptsaison ist der Parkplatz sicher sehr belebt, jetzt – mit
Einbruch der Dunkelheit – sind die letzten Fahrzeuge verschwunden und
wir stehen allein. |
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18.09.2007 ab 10h00 an 16h30
Dienstag, km
122.760 -
122.931
Von
der Schlucht wieder in die Berge: das Aries-Tal an den Muntii
Metaliferi
entlang ins Apuseni-Gebirge. Ein traumhaft schönes Gebiet, das
sich ganz allmählich in eine Gebirgsalmlandschaft verwandelt. Das Laub
zeigt vielfach schon kräftig Farbe und es wird unversehens noch einmal
sehr warm. Leider ist eine Wanderung nicht möglich – siehe gestern.
Die
Feststellung, der Zauber dieser Landschaft sei nicht mit dem Auto
„erfahrbar“, ist mühelos nachzuvollziehen. Wer Rumänien bereist, sollte
unbedingt das
Apuseni-Gebirge – und genügend Zeit dafür - einplanen, auch wenn die
Straßen noch nicht die besten sind – es ist ein Erlebnis.
Einen
absolut authentischen Markt erleben wir noch inklusive Viehverkauf und
leider dazugehörigem Viehtransporter. Es ist tatsächlich so: das Angebot
reicht von Kuh und Schwein über Schraube und Nagel, Sägeblatt und
elektrische Arbeitsmaschine bis hin zu Lebensmittel, Futtermittel und
Saatgut. Letztere werden säckeweise per Pferdekutsche, manchmal auch nur
per Handkarren kilometerweit nach Hause transportiert und eine Kuh haben
wir sogar in einem VW-Bus entdeckt. Offenbar kommen die Menschen zu
diesen Märkten von recht weit her, denn nach unserem Einkauf standen sie
am Straßenrand aufgefädelt, sodass wir zwei Frauen und einen Mann
mitgenommen haben, die erst nach 8 – 10 Kilometern an ihrem Ziel waren.
Hier
wird noch sehr viel zu Fuß gegangen, Autostop ist gang und gäbe und es
werden die unwahrscheinlichsten Gegenstände für wert befunden, von hier
nach dort transportiert und noch nicht weggeworfen zu werden.
Allerdings: wenn weggeworfen wird, dann leider völlig wahllos, egal ob
in den Bergen und Tälern, auf Wiesen, in Flüsse, Bäche, an
Straßenränder, einfach überallhin – schade !
Jetzt
stehen wir auf dem Dorfanger in Carpinat, die Enten sind schon an
uns vorbei nachhause gewatschelt und der Ziegenhirte hat seine Herde
leicht hektisch an uns vorbei getrieben. Die Dorfjugend ist ums WOMO
herumgeschlichen – so was ist hier wohl noch nie gestanden . . .
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19.09.2007 ab 10h20 an 17h20
Mittwoch, km
122.931 -
123.121
Die
Strecke aus dem Bihorgebirge ist landschaftlich ausgesprochen reizvoll
und auch die Straßenqualität zu Beginn sehr vielversprechend, dann
allerdings lässt sie stark nach und beutelt das WOMO und uns zum
Abschied von Rumänien noch gehörig durcheinander.
Arad
liegt auf unserem Weg und wir wandern einmal die Str. Revolutiei -
die Hauptschlagader der Stadt - hinauf und hinunter, bewundern einige
schöne Bauten wie Rathaus, Staatstheater, und stillen dann unseren
Hunger auf dem Markt der Piata Cathedralii, der im Reiseführer wohl
etwas zu enthusiastisch angespriesen wird.
Die
letzten rumänischen Straßenkilometer bemühen sich redlich, uns einen
guten Eindruck zu diesem Thema mit nach Hause zu geben und wir stehen
jetzt in Napac – unmittelbar vor der Grenze – über die wir morgen unser
Reiseland verlassen werden.
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20.09.2007 ab 08h00 an 18h15
Donnerstag. km
123.121 -
123.430
12h-16h30
Reparaturstehzeit
Um 8
Uhr
ein etwas überstürzter Aufbruch, weil neben unserem Stellplatz ein
Bagger beginnt, die schon am Vorabend vorhandene Künette weiter
aufzugraben.
Also
geht’s über die Grenze nach Ungarn und nach 20km wunderbarer Straße
finden wir einen Platz zum Frühstücken und Vignettenkauf.
Auf
dem Weg Richtung Balaton passiert´s: ca. bei KM 123.346 ist der
Keilriemen weg und die Lampe für die Batterieladekontrolle leuchtet in
warmem Rot und versetzt uns in leise Unruhe, weil genau jetzt nämlich
kein Autoserviceschild auftaucht. Dann finden wir aber doch eine
Werkstätte, in der man sich sehr bemüht, unser Problem zu lösen.
Letztendlich verschwindet ein Werkstättenmitarbeiter für drei Stunden,
um einen passenden Keilriemen aufzutreiben zw. zu holen. Wir vertreiben
uns derweil die Zeit mit Essen, Sonnen, Autopflege, Dösen, Lesen und
Geldzusammenkratzen. Dann ist der Riemen da und der Meister werkt noch
eine knappe Stunde, bis wir wieder fahrbereit sind. Hätte ich es nicht
selbst erlebt, würde ich es sicher nicht glauben: für diesen
ganzen Aufwand samt Kosten für den Keilriemen haben wir ganze € 30,--
bezahlt!
Das
bekommen wir in Österreich nie und schon gar nicht mit soviel
Hilfsbereitschaft.
Dann
rollen wir weiter zum Balaton zu einem CP, weil wir für die letzten Tage
noch einmal etwas Ordnung machen möchten.

Am
Südufer zwischen KM 129 und 130: CP Hattyu in Balatonszemes, in
unmittelbarer Nähe des Yachthafens direkt am Seeufer mit eigenem
Badestrand, hat bis 30.9.2007 offen und kostet für WOMO + 2 Personen pro
Nacht € 15,--. Es ist hier schon sehr still und beschaulich, die Saison
ist längst vorüber und wir wandern zum einzigen Restaurant, das noch
geöffnet hat. Aus der reichhaltigen Speisenkarte suchen wir uns ganz
ausgezeichnete Fischsuppe aus, und Hortobagy-Palatschinken.
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21.09.2007 ab 10h30 an 18h15
Freitag, km
123.430 -
123.655
Schöner Herbstmorgen direkt am Seeufer, den Schwänen und Reihern beim
Aufwachen zugeschaut.

WOMO
in Ruhe wieder reisefertig gemacht und auf Richtung Österreich – Ewald
meint, er freut sich schon, endlich wieder deutsch reden zu können. Es
wird eine Fahrt durch herbstlich buntes Land, blitzsaubere Dörfer und
Märkte, bewaldete Hügel – auch das ist Ungarn.
An
der Grenze in Heiligenkreuz nimmt man uns kaum zur Kenntnis und dann
sind wir sozusagen wieder zu Hause.
In
Ewalds kulinarischer Phantasie gaukelt schon seit längerem ein Backhendl
herum und so machen wir uns mittels Garmin auf die Suche nach einem
Wirtsgehäuse mit entsprechendem Angebot – und werden fündig.
Kürbiscremesuppe, Kernöl und natürlich Backhendl.
Aber
dann steht uns der Sinn nach Wasser, sehr viel Wasser, am besten von
allen Seiten gleichzeitig und wir fahren nach Bad Waltersdorf.
Da fahr ich sicher wieder hin, so gut hat es mir gefallen. Das Wasser
ist ein Traum, unglaublich weich; am liebsten würde ich es nach Wien
umleiten . . . .
Es
gibt bei der Therme im hotelunabhängigen Parkbereich übrigens einige
wenige Parkplätze, die sich ausgezeichnet als Stellplätze =
Übernachtungs-Plätze eignen, zwei bis drei sogar für Fahrzeuge unserer
Länge (7,30m).
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22.09.2007
Samstag, km
123.655 -
123.715
Die
Nacht war ausgesprochen frisch, aber zum Frühstück gibt es Morgensonne.
Wir wandern wieder in die Therme, weil ich von diesem Wasser nicht genug
bekommen kann.
Gegen
14h machen wir uns auf ins Lafnitztal, ein langgehegtes Wunschziel von
mir – ich hab´s halt mit dem Wasser, so sehr ich auch mit den Gelsen auf
Kriegsfuss stehe!
Langes Herumgesuche, ist ja nicht so einfach in einem
Ramsargebiet. Unterbrochen wird die Suche durch einen kurzen
Zwischenstop in Hartberg, weil wir uns plötzlich nach Schwarzbrot und
Zeitung sehnen und als verbildete Städter nicht damit rechnen, dass
vernünftige Menschen am Land zum Wochenende auch einmal aufhören zu
arbeiten und zu verkaufen. Und weil grad ein Lagerhaus so günstig liegt,
wird auch gleich die Gasflasche getauscht.
Dann
sind wir bei der
Maierhofermühle nächst Unterlungitz, laut Angabe der Broschüre
das Herz des Lafnitz-Naturschutzgebietes. Ein sehr hübscher
Platz, hier gibt es eine sonnige Wiese, zu essen und zu trinken, und
hier ist ein Ausgangspunkt für eine Wanderung durch das NSG
Lafnitztal.
Wir
dürfen über Nacht bleiben und werden morgen versuchen, die Mäander der
Lafnitz zu ergründen. |
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23.09.2007 ab 13h00 an 16h15
Sonntag, km
123.715 -
123.787
Morgens ist die Temperatur jetzt schon ganz schön herbstlich; 8 Grad
erfordern fürs Frühstück einen kurzen Heizvorgang im WOMO!

Dann
wandern wir durch taunasse Wiesen am Ufer der Lafnitz entlang,

begleitet von
indischem Springkraut goldenen Ulmen, Sträuchern voller Pfaffenkapperln
und anderer bunter Beeren und schauen dem Fluss zu, wie er sich durchs
Land windet, Sand- und Schotterbänke bildet, die Ufer
unterwäscht, sodass richtige Steilwände entstehen und Bäume ins Wasser stürzen.

Trotz
zahlloser Mäander entwickelt die Lafnitz ein beachtliches Tempo,
zumindest dort, wo wir unterwegs sind.
Nach
zweieinhalb Stunden sind wir wieder bei der Maierhofermühle. Es
gibt eine fabelhafte steirische Krautsuppe und einen phantastischen
Most. Im Gastgarten finde ich – heuer schon zum zweiten Mal – ganz
frische Nüsse, die das Dessert abgeben: befreit von der dünnen Haut
schmecken sie einfach unglaublich.
Wir
dürfen an diesem sehr gastlichen Ort auch unser WC entsorgen, was uns
mehr als gelegen kommt und dann machen wir uns auf Richtung
Horitschon, wo wir Wein kaufen wollen.
Unser
Weg führt uns über Bernstein und Lockenhaus,
wo es
einen herrlichen Übernachtungsplatz gibt: riesengroß, völlig eben,
geschottert, mit Zugang zu einen kleinen See. Lage: von Westen kommend
nach der Burgauffahrt ca. 200m weiter in Fahrtrichtung Eisenstadt auf
der rechten Seite.
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24.09.2007 ab 09h10 an 14h15
Montag, km
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Dünner
Morgennebel liegt auf dem Burgsee und von oben gibt’s Sonnenschein. Nach
dem Frühstück wird noch schnell hinausgekehrt und die Teppiche
ausgeschüttelt, dann geht die Fahrt weiter nach Horitschon, dann
über das Rosaliengebirge nach Hof, wo wir einen WOMO-Winterplatz
empfohlen bekommen haben – war aber ein Flop ! Also weiter zum nächsten,
der auch nichts wird – wenns so weitergeht, werden wir die Liste
unserem WOMO-Händler völlig zusammengestrichen zurückgeben müssen.
Als
Ausklang – wir haben versprochen, erst am Dienstag nach Hause zu kommen
– stehen wir jetzt wieder in Bad Deutsch Altenburg wirklich
direkt an der Donau.

Es
ist allerhand los auf der Donau, Schleppverbände sind heute schon
vorbeigezogen, der Twin City Liner, Frachtschiffe und – besonders
spannend – den ganzen Nachmittag über lag ein zunächst undefinierbarer
Verband mitten in der Fahrrinne. Zunächst dachten wir schon, es handle
sich um eine Panne, dann hat sich das Ganze aber als Arbeitstrupp
entpuppt mit einem riesigen Geräteträger mit Kran, der irgendwas am
Grund der Donau zu schaffen hat und der Bugsierer hinten dran, der den
Kahn mit seiner Motorkraft an Ort und Stelle hielt.
Der
Sonnenuntergang hat die unwahrschinlichsten Farben aufs Wasser
gezaubert, grün, orange, amethyst, und jetzt ist es stockfinster, denn
am anderen Ufer ist nur Auwald. Manchmal kommt aus dem Dunkel eine
Lichterformation dahergeschwommen, zieht an uns vorbei und verschwindet
wieder – eine ganz eigenartige Welt.

Ein
durchaus empfehlenswerter Platz zum Übernachten; im Hintergrund des
großen Parkplatzes gibt es das Restaurant „Gasthaus an der Donau“, wenn
man sich nicht selbst verköstigen will.
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