|
Freitag 04.09.2009 12h00,
km
76.885 - 77.093
Tempera
mutantur – man stelle sich vor: 200 Jahren früher hätten wir in
Karlsbad vielleicht Umgang mit so prominenten Menschen wie
Geheimrat Goethe, L.v. Beethoven oder Karl Philipp Schwarzenberg
gepflogen! Man wäre nach den Kuranwendungen in sorgfältig komponierter
Toilette einhergeschritten; hätte einander gemessen zugenickt und hinter
dem gespreizten Fächer die neuesten Pikanterien ausgetauscht. Oder
politisiert! Heute? Scharen von Touristen aus aller Herren Länder
(einschließlich uns) in Jeans, Kapuzenpulli, offenem Hemd und
Freizeitlatschen und – der unvermeidlichen Kamera schwärmen durch den
Ort von Nobelfassade zu Nobelfassade!

Das kaiserliche Badehaus ist seit 1895 bis heute in Betrieb.
Ja, die Zeiten ändern sich und der
Kontrast zwischen den außerordentlich repräsentativen Bauten und den
nach der heutigen Mode sehr leger gekleideten Menschen entbehrt manchmal
nicht einer gewissen Komik. Es lässt sich nicht leugnen: Kleider machen
Leute. Das hat schon der alte Gottfried gewusst.

Marktkollonade, aus Holz im Jahr
1883 erbaut, wird heute noch benutzt.

Die Tepla führt durch das enge Tal.
Eng ist
dieses Tal der Tepla, in dem das Heilbäderviertel
angesiedelt ist, recht dunkel und feucht, es kommt wenig Sonne hier
herein. Irgendwie wirkt manches ein bisschen vergessen, in die Jahre
gekommen, modrig.
Wirklich
beeindruckend ist – rein geologisch gesehen – der „Sprudel“, die
heißeste Quelle (72°) in Karlsbad, die bis zu 12m in die Höhe schießt;

in den sogenannten Sprudelkollonaden sind noch andere - etwas weniger
heiße Quellen gefasst, mit Temperaturangabe. Trotzdem verbrenn ich mir
die Finger!
Genug
Bädernostalgie; wir wollen ins Elbsandsteingebirge, genauer: in die
sächsisch-böhmische Schweiz, um dort zum Prebischtor,
> > > Hier die Webseite < < <
einer recht spektakulären Felsformation zu wandern. Da Ewald partout
keine 14-Tage-Vignette kaufen will, stellen er und das Navi eine recht
eigenartige Route zusammen. Also steige ich aus der Navigation aus, denn
noch mehr als sonst gilt hier: drei sind einer zuviel. In Decin
erreichen wir dann die Elbe, die hier kaum den Strom erahnen lässt, als
der er später durch den Norden Deutschlands fließen wird. Schnell sind
die 11km bis Hrensko gefahren, dort packt uns allerdings
zunächst leises Gruseln. Die Straße ist dichtest gesäumt von
Verkaufsbuden, bestückt mit unbeschreiblichem Kitsch (wer kauft das bloß
alles ?). Als wir am Straßenrand kurz stehen bleiben, um die Karte zu
befragen, taucht ein junger Mann auf, der uns wortlos, aber mit
unmissverständlicher Geste auffordert, entweder zu zahlen oder zu
verschwinden. Nichts lieber als das, solche Auswüchse von Tourismus
schätzen wir ganz und gar nicht! Wir schwenken in das Seitental ein, ca.
5km führt die Straße „durch den dunklen Tann“, dann folgen dicht
aufeinander Parkplatz, Hotel + Restaurant und ein CP. Freistehen ist im
Nationalpark ohnehin verboten, der PP sicherlich gebührenpflichtig,
unser Stromhaushalt schwächelt auch ganz leicht, also gewinnt der CP (Mezni
Louka, € 14,-- für 1 Womo + 2 Pers. + Strom). Obwohl wir mit der
deutschen Grenze förmlich schmusen, ist es gar nicht so leicht, einen
Sender zu erwischen, um Wetterbericht zu hören. Was er uns dann
allerdings zu sagen hat, hätten wir lieber nicht gehört; vielleicht irrt
er sich aber auch und es kommt alles ganz anders (und es hat bis morgen
früh aufgehört, derart zu wascheln, wie es das derzeit tut).
|