Mittwoch,
15.04.2009
08h00 -
14h50,
Km
67.878 -
68.218
Die
Nacht ist bewegt, gegen 23h00 stellt sich ein saftiges Gewitter ein; es
kommt derart viel Wasser herunter, dass wir um 01h00 unseren Platz
aufgeben – da Wiesengrund – und vorsichtshalber weiter Richtung Straße
übersiedeln, wo der Boden geschottert ist. Der Morgen zeigt, dass die
Entscheidung goldrichtig war: wir verschieben sogar das Frühstück und
fahren gleich weg, so weich ist der Boden.
Die
heutigen Fahrstrecken haben es wahrhaft in sich.
Die
erste Etappe von Iskilip nach Tosya führt über zwei Pässe, 1100 und
1660m hoch und ist trotz Regen landschaftlich außerordentlich reizvoll.
Wer sie fahren will, sollte allerdings wissen, dass dem Fahrer einiges
abverlangt wird.

Er
muss ständig gewärtig sein, dass plötzlich ein Fahrstreifen fehlt –
weggebrochen wegen bautechnischer Mängel; der Straßenbelag scheint
direkt aufs Erdreich aufgebracht zu sein und das hält halt nicht lang.
Außerdem muss er damit rechnen, dass gelegentlich beachtliche
Felsbrocken mitten auf der Fahrbahn liegen. Offenbar scheint es Tage zu
dauern, bis das jemand meldet und die Dinger weggeräumt werden
(verwunderlich ist das allerdings nicht, uns ist auf der gesamten
Strecke genau ein Auto begegnet). Wildgewordene Bäche, die ihre
zermahlene Fracht quer über die Fahrbahn verteilen, sind eher ein
geringeres Problem. Das durchschnittlich fahrbare Tempo beträgt maximal
30kmh, aber -wie gesagt – landschaftlich ist die Fahrt atemberaubend und
unbedingt zu empfehlen.

Die
zweite Etappe führt von Tosya nach Saraydüzü und ist um nichts einfacher
zu fahren. Sie beginnt verhältnismäßig harmlos; nach Verlassen des Ortes
Kargi geht´s allerdings zur Sache. Die Straße wird sehr schmal, Belag
und Bankett sind miserabel, es geht sehr eng um Felswände herum, jeder
Bergbach führt nach großen Regenfällen Unmengen Material mit sich, das
zum Teil auf der Straße liegen bleibt, und bildet dort, er
herunterkommt, metertiefe Canyons. Ausweichstellen gibt es so gut wie
keine - der Fahrer hat wirklich nichts zu lachen. Geradezu phantastisch
sind jedoch die steil aufragenden Felswände, die im Regen in den
unwahrscheinlichsten Farben leuchten. Ich jedenfalls habe noch nie
türkis-silbrig glänzende Felsen gesehen! Blühende Obstbäume säumen die
Straße und angesichts der wenige Dörfer, die wir passieren, bekommen wir
eine Vorstellung davon, unter welchen Schwierigkeiten Menschen hier das
Leben bestreiten müssen.
Eine abenteuerliche und wegen des lockeren Felsmaterials manchmal nicht
ungefährliche Strecke; dann sind wir auch über diesen Bergrücken und
rollen weiter bis Boyabat, wo wir einen recht brauchbaren Stellplatz
westlich der Burg finden - nur wenige Schritte vom Markt entfernt.
Als
ich mich gerade fertig mache, um dort einkaufen zu gehen, führt wieder
einmal der Zufall Regie.
SZENE 1: Ewald will schnell noch ein paar Radeln Wurst an zwei Katzen
verfüttern. Er macht das sehr elegant, die Wursträder rollen über den
ganzen Platz und die Katzen setzen ihnen nach und verkriechen sich damit
unter ein Auto. Der Katzenbesitzer betrachtet das Schauspiel und
natürlich kommt ein „Gespräch“ zustande, das damit endet, dass wir ihn
zum Tee ins Womo einladen. Er kommt in Begleitung seiner Söhne und einer
türkischen Landkarte, spricht kein Wort deutsch, ist aber ausgesprochen
interessiert und begeisterungsfähig. Unter Einsatz zweier Wörterbücher
werden im Laufe einer dreiviertel Stunde die Dinge erörtert, die hier im
Land wichtig sind: wie man heißt, wie alt man ist, woher man kommt, wie
viele Kinder man hat, ob Buben oder Mädchen, wie alt sie sind, und
welchen Beruf man hat. Außerdem wird eine deutsch-türkische
Einkaufsliste angefertigt, unser Gast ist sehr stolz auf seine neu
erworbenen Sprachkenntnisse. Die Buben werden mit Zuckerln und
Mannerschnitten ausgestattet, dann verlässt uns unser Besuch und wir
wandern zum Markt.
Leider
finden wir keine Köfte – also gibt es Corba (mit Yoghurt!) und dann wird
geschlafen – wir sind rechtschaffen müde.
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